Unterbrechung, Protest – dann trifft Stuttgart eiskalt
Schon vor dem ersten sportlichen Höhepunkt wurde es kurios. Kurz nach Anpfiff flogen aus den Rängen Tennisbälle auf den Rasen. Fans protestierten gegen vereinsinterne Entwicklungen, Schiedsrichter Erik Lambrechts musste die Partie für mehrere Minuten unterbrechen. Die Atmosphäre war aufgeheizt – und eigentlich sprach alles für einen emotionalen Abend aus Sicht der Gastgeber.
Doch Stuttgart ließ sich davon nicht beeindrucken. Von Beginn an wirkte das Team von Sebastian Hoeneß konzentriert, strukturiert und ruhig am Ball. Und mit dem ersten echten Abschluss schlugen die Schwaben zu.
In der 15. Minute verlängerte Deniz Undav einen zweiten Ball sehenswert per Hacke, Bilal El Khannouss nahm Maß – und traf aus rund 14 Metern zur Führung. Der Schuss kam zentral, sprang nicht unhaltbar, doch Schmeichel im Celtic-Tor griff daneben. 1:0 für den VfB.
Der Celtic Park verstummte kurz – aber nicht lange.
Karazor-Patzer bringt Celtic zurück
Nur sechs Minuten später der Dämpfer für Stuttgart. Kapitän Atakan Karazor geriet vor dem eigenen Strafraum unter Druck, wollte quer spielen – und schoss Benjamin Nygren direkt an. Der Schwede reagierte blitzschnell, umkurvte Alexander Nübel und schob zum 1:1 ein (21.).
Plötzlich war das Stadion wieder da. Die Fans witterten Morgenluft. Doch was folgte, war die vielleicht stärkste Phase der Gäste im gesamten Spiel.
El Khannouss mit der perfekten Antwort
Stuttgart wirkte nach dem Ausgleich nicht verunsichert, sondern reifer. Die Schwaben ließen den Ball laufen, zogen das Tempo an – und belohnten sich erneut.
In der 28. Minute brachte Angelo Stiller eine Flanke in den Strafraum, die abgefälscht als Bogenlampe am Fünfmeterraum herunterkam. Dort stand El Khannouss völlig frei und köpfte aus sechs Metern zum 2:1 ein. Doppelpack für den 21-Jährigen – und erneute Stille im Stadion.
Bis zur Pause hatte der VfB die Partie im Griff. Celtic fand kaum Lücken gegen die kompakte Viererkette, lange Bälle auf Čvančara wurden konsequent verteidigt. Stuttgart kontrollierte das Zentrum und spielte abgeklärt.
Celtic drückt – Leweling zerstört das Momentum
Nach dem Seitenwechsel kam Celtic mit deutlich mehr Energie aus der Kabine. Höheres Pressing, mehr Zweikämpfe, schnellere Ballgewinne. Zwischen der 46. und 57. Minute hatten die Schotten ihre beste Phase.
Doch genau in diese Druckphase hinein traf Stuttgart – und das war spielentscheidend.
Jamie Leweling bekam den Ball 20 Meter vor dem Tor, legte ihn sich zurecht und zog mit rechts ab. Der Schuss war wuchtig, sprang vor Schmeichel noch einmal auf – der Keeper verschätzte sich erneut. 3:1 in der 57. Minute.
Ein Treffer zur perfekten Zeit. Das Momentum war gebrochen.
VAR-Drama und schwindende Hoffnung
Nur wenige Minuten später schien alles entschieden. Ermedin Demirović kombinierte sich sehenswert mit Undav durch die Mitte und lupfte den Ball über Schmeichel hinweg ins Tor. Die Stuttgarter Kurve jubelte – doch der VAR griff ein. Beim Zuspiel hatte Demirović mit der Fußspitze im Abseits gestanden. Das 4:1 wurde zurückgenommen.
Für Celtic war es die letzte kleine Hoffnung. Doch spielerisch blieb der VfB überlegen.
Fans verlassen das Stadion – Tomás macht alles klar
Mit zunehmender Spielzeit wurde deutlich, dass Celtic an diesem Abend nicht mehr zurückkommen würde. Stuttgart spielte clever, hielt das Tempo hoch, ließ den Gegner laufen und nahm wertvolle Minuten von der Uhr.
Bereits rund 30 Minuten vor Schluss verließen erste Fans das Stadion. Beim Stand von 1:3 herrschte auf den Rängen spürbare Resignation. Der einstige Hexenkessel wurde zunehmend leise.
In der Nachspielzeit folgte der endgültige Schlusspunkt: Nartey drehte sich im Zentrum stark auf, spielte einen perfekten Steckpass in den Strafraum – Tiago Tomás nahm den Ball mit und jagte ihn aus neun Metern in den Winkel. 4:1 (90.+3). Nur noch der Gästeblock war zu hören.
Traum-Ausgangslage – aber noch nicht entschieden
Ein kleiner Wermutstropfen bleibt: Jeff Chabot sah Gelb und fehlt im Rückspiel. Doch insgesamt war es eine reife, konzentrierte und in den entscheidenden Momenten gnadenlose Vorstellung der Schwaben.
Vier Auswärtstore, klare Dominanz in der Schlussphase und ein Gegner, der spielerisch deutlich unterlegen war – der VfB Stuttgart hat sich eine nahezu perfekte Ausgangslage erarbeitet.
Celtic braucht nun ein Fußballwunder.
Stuttgart dagegen hat das Achtelfinale fest im Blick – und einen großen Schritt dorthin bereits gemacht.

