Haben Sie sie schon gesehen? Die Rede ist von den silbernen Fahrzeugen mit den markanten High-Tech-Türmen auf dem Dach. Google schickt seine Flotte erneut durch die Republik, um das Kartenmaterial von „Street View“ auf den neuesten Stand zu bringen. Seit Februar und noch bis November 2026 rollen die Kamera-Wagen durch alle Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs. Ob Stuttgart, Ludwigsburg oder der Bodenseekreis – kein Fleckchen Zivilisation bleibt unbeobachtet.
Die Technik: Wo Autos scheitern, kommt der „Trekker“
Viele der Aufnahmen, die wir derzeit bei Google Maps sehen, stammen aus dem Jahr 2023. Doch in zwei Jahren verändert sich viel: Neue Gebäude entstehen, Fassaden werden saniert, Baustellen verschwinden. Google will ein „aktuelles Bild“ der Realität liefern.
Doch die Kameras kommen diesmal noch weiter als je zuvor. Wo die klassischen Google-Autos aufgrund von engen Gassen oder unwegsamem Gelände stoppen müssen, setzt der Suchmaschinen-Riese auf portable Kamerasysteme. Diese sogenannten „Trekker“ werden wie ein Rucksack auf dem Rücken getragen oder auf Schneemobilen, Pick-ups und Motorrädern montiert. Das bedeutet: Auch Fußgängerzonen, Parks und Wanderwege könnten bald im 360-Grad-Modus weltweit abrufbar sein.
Mit einer speziellen Backpack-Kamera sammelt Google in Berlin neue Aufnahmen für Street View.
Ihr Recht auf Privatsphäre: Muss mein Haus ins Netz?
Die Vorstellung, dass jeder Fremde weltweit virtuell bis vor die eigene Haustür spazieren kann, behagt längst nicht jedem. Viele Bürger empfinden die unverpixelte Darstellung ihrer Häuserfront als Eingriff in die Privatsphäre. Die gute Nachricht: In Deutschland gelten besonders strenge Datenschutzregeln.
Die Landesbehörden, wie die Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, betonen immer wieder: Jeder Bürger hat das Recht, der Veröffentlichung von Bilddaten zu widersprechen, die die eigene Privatsphäre verletzen. Das gilt nicht nur für die eigene Person oder das Autokennzeichen, sondern explizit auch für das eigene Gebäude oder das Grundstück.
Schritt-für-Schritt: So löschen Sie Ihre Fassade
Wenn Sie nicht möchten, dass Ihr Haus zum Internet-Star wird, müssen Sie aktiv werden. Google verpixelt zwar Gesichter und Kennzeichen automatisch, die Häuserfronten bleiben jedoch standardmäßig scharf – es sei denn, Sie legen Widerspruch ein. Hier sind die drei einfachsten Wege:
1. Erstens über das Widerspruchsformular (Am schnellsten)
Der schnellste Weg für alle, die auf Nummer sicher gehen wollen, führt über das offizielle Widerspruchsformular Street View Deutschland.
- Suchen & Melden: Prüfen Sie zuerst bei Google Maps, ob Ihr Haus bereits aktuell zu sehen ist. Wenn ja, nutzen Sie einfach den Link „Problem melden“ direkt im Bild.
- Vorab-Sperre: Falls Ihr Haus noch im „alten“ Zustand (z. B. von 2023) oder gar nicht zu sehen ist, füllen Sie das Online-Formular aus. Damit beantragen Sie die Unkenntlichmachung für alle künftigen Veröffentlichungen.
Wichtig: Dieser Vorab-Widerspruch ist besonders effektiv, weil er verhindert, dass Ihr Zuhause auch nur für eine Sekunde unverpixelt im Netz landet. Das Ausfüllen dauert nur wenige Minuten, bietet Ihnen aber dauerhaften Schutz vor neugierigen Blicken.
2. Der Klick in der App
Gehen Sie in Google Maps auf die Street-View-Ansicht Ihres Hauses. Klicken Sie auf die drei kleinen Punkte (Menü) oder ziehen Sie das gelbe Männchen auf die Stelle. Wählen Sie den Punkt „Problem melden“. Dort können Sie angeben, dass Ihr Zuhause unkenntlich gemacht werden soll.
3. Die digitale Post
Schreiben Sie eine formlose E-Mail an [email protected]. Nennen Sie darin Ihre genaue Adresse (Straße, Hausnummer, PLZ, Ort) und erklären Sie kurz, dass Sie der Veröffentlichung Ihres Hauses widersprechen.
4. Der klassische Brief
Wer es ganz sicher mag, schreibt an: Google LLC, Betr.: Street View, PO Box 111607, 20416 Hamburg.
Tipp vom Profi: Bewahren Sie eine Kopie Ihres Widerspruchs auf! Sie müssen keine Paragrafen zitieren oder einen speziellen Grund nennen – ein einfacher Satz wie „Ich widerspreche der Darstellung meines Hauses“ reicht vollkommen aus.

