Deutschland bleibt als Investor-Magnet begehrt
Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat Grund zur Freude: Im vergangenen Jahr 2025 überstiegen die Kapitalzuflüsse nach Deutschland erstmals seit über zwei Jahrzehnten die Abflüsse. Die Bilanz: ein sattes Plus von zehn Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2019 stand noch ein Minus von 85 Milliarden Euro zu Buche.
„Die Bilanz sieht ganz passabel aus“, kommentiert IW-Forscher Jürgen Matthes die Entwicklung. „Für ausländische Unternehmen scheint Deutschland durchaus ein attraktiver Standort zu sein.“ Insgesamt flossen 96 Milliarden Euro an Direktinvestitionen ins Land – ein Wert, der deutlich über dem Durchschnitt seit der Jahrtausendwende liegt.
Dass deutsche Unternehmen trotz teils überbordender Bürokratie, Unsicherheiten bei der Rechtssicherheit und Problemen mit der Kalkulierbarkeit attraktiv bleiben, führt Matthes auf eine zunehmende Sehnsucht nach Stabilität zurück: „In einer immer unsichereren Welt wird langweilige Berechenbarkeit offenbar sexy.“
US-Investoren wittern Chancen
Bestätigung gibt es von den Banken. „Das Interesse von US-Investoren an deutschen Unternehmen ist enorm“, berichtet Michael Kotzbauer, Firmenkundenvorstand der Commerzbank. „Und es hat im vergangenen Jahr sogar noch zugenommen.“ Der Grund: Die „erratische Politik“ von US-Präsident Donald Trump treibe insbesondere amerikanische Investoren auf der Suche nach Risikostreuung auf den deutschen Markt.
„Wenn es gelingt, die Infrastruktur-Investitionen zu realisieren und dann auch noch Reformen in Deutschland umzusetzen, könnte das Auslandsinvestitionen einen weiteren Schub verleihen“, meint Claudio de Sanctis, Privatkundenvorstand der Deutschen Bank. Die Weichen scheinen also gestellt, um die Trendwende bei Kapitalflüssen zu verstetigen.

