Mehr Geld fließt rein als raus

Deutschland wieder im Investoren-Fokus: Kapitalflüsse erstmals seit 2003 positiv

Deutschland wieder im Investoren-Fokus: Kapitalflüsse erstmals seit 2003 positiv
Foto: Euro- und Dollarscheine (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Deutschland verzeichnete 2025 überraschend positive Netto-Kapitalzuflüsse. Nach Jahren des Abflusses übertrafen die eingehenden Investitionen die ausgehenden um zehn Milliarden Euro. Experten sehen darin ein Zeichen für die Attraktivität des Standorts, trotz Bürokratie.

Lange Durststrecke beendet

Für ausländische Unternehmen scheint Deutschland wieder eine attraktive Adresse zu sein. Nach einer langen Phase, in der mehr Kapital das Land verließ, als hineinwisst, hat sich das Blatt im vergangenen Jahr gewendet. Laut einer Analyse des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), über die das Handelsblatt berichtet, überstiegen die Kapitalzuflüsse die Abflüsse um ganze zehn Milliarden Euro.

Von Schuldenstarre zu Anziehungspunkt

Die Bilanz des Jahres 2025 steht damit deutlich besser da als noch 2019, als Deutschland mit einem Minus von 85 Milliarden Euro aus den Büchern ging. „Die Bilanz sieht ganz passabel aus“, kommentierte IW-Forscher Jürgen Matthes die Entwicklung. Er sieht darin eine Bestätigung, dass Deutschland trotz bekannter Probleme wie Überbürokratisierung, Rechtssicherheit und mangelnder Kalkulierbarkeit für Investoren interessant bleibt. „In einer immer unsichereren Welt wird langweilige Berechenbarkeit offenbar sexy“, so Matthes.

US-Investoren auf der Suche nach Stabilität

Bestätigung kommt auch aus der Finanzbranche. Manager bestätigen eine gestiegene Nachfrage nach deutschen Investitionsmöglichkeiten. Insbesondere US-Investoren zeigen sich laut Michael Kotzbauer, Firmenkundenvorstand der Commerzbank, „enorm“ interessiert – ein Interesse, das im letzten Jahr noch zugenommen habe. Die oft als erratisch empfundene Politik von US-Präsident Donald Trump treibe amerikanische Anleger dazu, ihr Risiko zu streuen und nach sicheren Häfen zu suchen.

Claudio de Sanctis, Privatkundenvorstand der Deutschen Bank, sieht hierin eine Chance für Deutschland. Gelinge es, geplante Infrastrukturprojekte umzusetzen und Reformen anzustoßen, könnte dies Auslandsinvestitionen weiter Auftrieb verleihen.