Gesetzlich Versicherte warten länger

Fachärzte: Wartezeiten steigen – Kassen zahlen mehr für offene Sprechstunden

Foto: Behandlungszimmer beim Arzt (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Gesetzlich Versicherte müssen 2024 spürbar länger auf Facharzttermine warten als noch vor wenigen Jahren. Die durchschnittliche Wartezeit liegt nun bei 42 Tagen, ein Anstieg von neun Tagen seit 2019. Parallel dazu explodieren die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für offene Sprechstunden, die den Zugang erleichtern sollen.

Längere Wege zum Spezialisten

Ein Facharzttermin im Jahr 2024 kostet gesetzlich Versicherte im Schnitt 42 Tage Geduld. Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu 2019, als die durchschnittliche Wartezeit noch bei 33 Tagen lag. Diese Zahlen basieren auf einer Versichertenbefragung, die dem Bundesgesundheitsministerium vorliegt und auf einer kleinen Anfrage der Linken beruht.

Insbesondere für Menschen, die auf schnelle medizinische Hilfe angewiesen sind, bedeutet dies eine zusätzliche Belastung. Die längeren Wartezeiten betreffen alle gesetzlich Versicherten, die mindestens einen Tag auf einen Termin warten mussten.

Offene Sprechstunden kosten Milliarden

Parallel zu den steigenden Wartezeiten zeigen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für offene Sprechstunden eine dramatische Entwicklung. Diese Angebote, die eigentlich den Zugang zu Ärzten erleichtern und Wartezeiten verkürzen sollen, sind im Jahr 2023 auf rund 814 Millionen Euro angewachsen. Das ist ein kräftiger Sprung gegenüber 547 Millionen Euro im Vorjahr und 291 Millionen Euro im Jahr 2020.

Ärzte sind verpflichtet, mindestens fünf Stunden pro Woche als offene Sprechstunde ohne vorherige Terminvereinbarung anzubieten. Dafür erhalten sie eine extrabudgetäre Vergütung. Ziel dieser Regelung ist es, den Versicherten einen besseren und unkomplizierteren Zugang zur ärztlichen Versorgung zu ermöglichen.

Kritik von der Linken

Julia-Christina Stange, Sprecherin für ambulante Versorgung der Linken-Fraktion, übt scharfe Kritik an den aktuellen Regelungen. Sie bezeichnet die Maßnahmen „ein Rohrkrepierer“, da sie die gesetzlich Versicherten mehr Geld kosteten, aber eine schlechtere Leistung erhielten. Die Regierung verschließe angesichts dieser Entwicklung „fest die Augen“, so Stange weiter.