Wirtschaftsministerin kritisiert Umgang mit Bundesländern

Brandbrief aus NRW: Neubaur fordert mehr Mitsprache bei Zeitenwende

Brandbrief aus NRW: Neubaur fordert mehr Mitsprache bei Zeitenwende
Foto: Mona Neubaur (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) hat die Bundesregierung scharf kritisiert. In einem "Brandbrief" an die Minister Reiche und Pistorius fordert sie eine deutlich stärkere Einbindung der Länder bei der Umsetzung der sicherheitspolitischen Zeitenwende. "Verteidigungsfähigkeit entsteht nicht auf dem Papier, sondern vor Ort", mahnt die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin.

Fehlende Einbindung kritisiert

Die Grünen-Politikerin Mona Neubaur ist mit der Beteiligung der Bundesländer an der Umsetzung der sicherheitspolitischen Zeitenwende alles andere als zufrieden. In einem Schreiben an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bemängelt sie, dass die Länder bisher weder strategisch ausreichend berücksichtigt noch strukturell in das Handeln des Bundes eingebunden seien. Dieses Defizit sei angesichts der Dringlichkeit der Lage „nicht länger hinnehmbar“.

Flächen, Fachkräfte, Genehmigungen entscheidend

Neubaur betont, dass Bundesbeschlüsse ohne die Mitwirkung der Länder wirkungslos blieben. „Wer Verteidigungsfähigkeit ernst meint, muss die Länder systematisch einbinden“, so die Wirtschaftsministerin. Verfügbare Flächen, schnelle Genehmigungen und die Entwicklung von Fachkräften sind aus ihrer Sicht entscheidende Faktoren, die nicht allein in Berlin entschieden werden könnten. Die tatsächliche Umsetzung der sicherheitspolitischen Ziele beginne auf Landesebene.

Vorschlag für gemeinsame Konferenz

Um die Zusammenarbeit zu verbessern, schlägt Neubaur eine „gemeinsame Konferenz von Bund und Ländern zur Stärkung der Verteidigungsindustrie“ vor. Ziel sei es, ein gemeinsames Lagebild zu entwickeln, klare Rollen und Verantwortlichkeiten festzulegen und bestehende Initiativen verbindlich abzustimmen. Nur so könne sichergestellt werden, dass die politischen Ziele des Bundes schneller und effektiver erreicht werden.

Länder als zentrale Ermöglicher

Die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin hebt hervor, dass die Länder die zentralen Ermöglicher für Investitionen, Ansiedlungen und den Aufbau industrieller Kapazitäten seien. Flächenverfügbarkeit, Genehmigungsprozesse, Fachkräfteentwicklung und Infrastruktur liegen überwiegend in der Zuständigkeit der Länder. Auch die demokratischen Aushandlungs- und Beteiligungsprozesse, die für den gesellschaftlichen Rückhalt der Zeitenwende notwendig seien, fänden auf Länder- und Kommunalebene statt.