Demografischer Wandel beschleunigt sich
Die Bevölkerung Deutschlands wird bis zum Jahr 2070 voraussichtlich um rund zehn Prozent schrumpfen. Bislang gingen die Prognosen lediglich von einem Rückgang um ein Prozent aus. Diese drastische Korrektur ist das Ergebnis einer tiefgehenden Analyse aktueller Bevölkerungsrechnungen des Statistischen Bundesamtes durch das Ifo-Institut.
Politik muss umlenken
„Der verstärkte Rückgang und die Alterung der Bevölkerung müssen schon heute bei politischen Entscheidungen mit Langzeitwirkung, beispielsweise bei Gesundheit und Pflege, berücksichtigt werden“, mahnt Joachim Ragnitz von der Ifo-Niederlassung Dresden. Neben einer Verschärfung des Arbeitskräftemangels gerät auch die gesetzliche Rentenversicherung dadurch noch stärker unter Druck.
Die ökonomischen Konsequenzen sind weitreichend. „Bei weniger Menschen brauchen wir weniger Wohnungen, weniger Verkehrsinfrastrukturen und auch weniger Personal im öffentlichen Dienst“, erläutert Ifo-Forscher Robert Lehmann. Gleichzeitig wächst der Anteil der Älteren überproportional stark, was den Bedarf an Gesundheits- und Pflegeinfrastrukturen zusätzlich erhöht.
Regionale Unterschiede gravierend
Die Studie hebt deutliche regionale Unterschiede hervor. Während die ostdeutschen Flächenländer von dem Bevölkerungsrückgang besonders stark betroffen sein werden, bleiben die westdeutschen Ballungszentren vergleichsweise stabil. Für die Stadtstaaten wird bis 2070 sogar mit einem Bevölkerungsanstieg gerechnet.
Neue Daten als Ursache
Grund für die signifikante Neubewertung sind die Ergebnisse des Zensus 2022. Laut dieser Erhebung leben derzeit 81,9 Millionen Menschen in Deutschland und damit weniger als die zuvor auf Basis des Zensus 2011 hochgerechneten 83,2 Millionen. Die niedrigere Ausgangsbasis führt trotz ähnlicher Annahmen zu einer langfristig stark sinkenden Bevölkerungsentwicklung. Zuvor war man von einer eher konstanten bis leicht wachsenden Bevölkerung bis etwa 2030 ausgegangen.


