Prognose halbiert

Bevölkerung in Deutschland: Deutlich stärkerer Rückgang als erwartet

Foto: Menschen (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Neue Berechnungen des Ifo-Instituts auf Basis des Zensus 2022 zeichnen ein besorgniserregendes Bild: Bis 2070 könnte die Einwohnerzahl Deutschlands ein Zehntel schrumpfen – viermal mehr als bisher angenommen. Vor allem der Osten und die Rentenkassen sind betroffen.

Korrektur der Bevölkerungsvorausberechnungen

Die Einwohnerzahl Deutschlands wird bis zum Jahr 2070 stärker schrumpfen als bislang erwartet. Eine aktuelle Analyse des Ifo-Instituts, basierend auf den neuesten Daten des Zensus 2022, prognostiziert einen Rückgang von rund zehn Prozent. Bislang ging man von einem Minus von lediglich einem Prozent aus.

„Der verstärkte Rückgang und die Alterung der Bevölkerung müssen schon heute bei politischen Entscheidungen mit Langzeitwirkung, beispielsweise bei Gesundheit und Pflege, berücksichtigt werden“, betont Joachim Ragnitz vom Ifo-Institut in Dresden. Die Folgen sind gravierend: Der Arbeitskräftemangel dürfte sich verschärfen und die gesetzliche Rentenversicherung gerät weiter unter Druck.

Regionale Unterschiede: Ostdeutschland stark betroffen

„Bei weniger Menschen brauchen wir weniger Wohnungen, weniger Verkehrsinfrastrukturen und auch weniger Personal im öffentlichen Dienst“, erklärt Ifo-Forscher Robert Lehmann. Gleichzeitig nehme der Anteil der Älteren stark zu, was den Bedarf an Gesundheits- und Pflegeinfrastrukturen weiter erhöht. Die regionalen Unterschiede sind dabei erheblich. Während die ostdeutschen Flächenländer deutlich stärker betroffen sind als die westdeutschen Ballungszentren, wird für die Stadtstaaten sogar ein Bevölkerungsanstieg bis 2070 prognostiziert.

Grund für die drastische Korrektur der Bevölkerungsvorausberechnungen sind die neuen Zahlen des Zensus 2022. Demnach leben in Deutschland tatsächlich 81,9 Millionen Menschen und damit deutlich weniger als die zuvor hochgerechneten 83,2 Millionen aus dem Zensus 2011. Diese geringere Ausgangsbasis führt, trotz weitgehend gleicher Annahmen zur Geburtenrate und Zuwanderung, zu einer langfristig stark sinkenden Bevölkerungszahl.