Ministerin fordert mehr Aufklärung in Familien und Schulen

Prien: Gewalt ist gesamtgesellschaftliches Problem, mehr Prävention nötig

Prien: Gewalt ist gesamtgesellschaftliches Problem, mehr Prävention nötig
Foto: Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) bei einer Pressekonferenz, aufgenommen am 10.02.2026, via dts Nachrichtenagentur

Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) sieht die Ursachen von Gewalt tief in der Gesellschaft verwurzelt. Sie plädiert für eine stärkere Präventionsarbeit, die bereits in Kitas und Schulen ansetzen müsse. Neben der Verbesserung von Beratungsangeboten bei Anzeigen betont Prien die Notwendigkeit, Männern neue Rollenbilder aufzuzeigen und die Problematik Migration endlich umfassend zu beleuchten.

Gewalt-Prävention als Bildungsauftrag

Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) prangert Gewalt als ein Problem an, das die gesamte Gesellschaft betrifft. Dies schließe nicht nur häusliche Gewalt ein, sondern auch die wachsende Aggressivität im digitalen Raum, so die Ministerin in den ARD-„Tagesthemen“. Sie forderte eine Ausweitung von Beratungs- und Unterstützungsangeboten, gerade wenn es um die Erstattung von Anzeigen geht.

Prien betonte, dass strafrechtliche Maßnahmen allein nicht ausreichen. „Wir müssen über die Frage, dass Gewalt eben unter keinen Umständen ein Mittel der Auseinandersetzung (…) ist, darüber müssen wir offensichtlich in den Familien, in den Kindergärten schon, aber auch in den Schulen mehr sprechen und müssen dieses Thema ernster nehmen.“ Sie verwies auf eine Verunsicherung bei Männern bezüglich ihres Rollenverständnisses als einen möglichen Faktor.

Jungen und Männer im Fokus

Obwohl Studien belegen, dass Frauen überproportional von Gewalt betroffen sind, mahnt Prien an, die Situation von Jungen und Männern nicht zu vernachlässigen. „Die Dinge sind auf keinen Fall hinnehmbar. Sie sind offensichtlich auch eine Bildungsaufgabe, um die sich auch schon die Kitas, aber auch die Schulen mehr kümmern müssen.“

Migration und Gewalt betrachten

Die Bundesfamilienministerin nahm auch den in Studien sichtbaren Zusammenhang zwischen Migration und Gewalt auf. „Das müssen wir sehr ernst nehmen, und müssen auch der Frage nachgehen, warum insbesondere Frauen mit Zuwanderungsgeschichte im besonderen Maße Gewalt ausgesetzt sind.“ Diese Problematik muss laut Prien intensiv erforscht werden.

Finanzierung und Datenerhebung des Gewalthilfegesetzes

Für die Umsetzung von Maßnahmen im Rahmen des Gewalthilfegesetzes werden ab dem 1. Januar 2027 jährlich 2,6 Milliarden Euro vom Bund zur Verfügung gestellt. Damit sollen Kommunen und Länder unterstützt werden. Prien räumte jedoch ein, dass es einige Jahre dauern werde, bis der tatsächliche Bedarf gedeckt sei. Derzeit laufen in den Bundesländern die Bedarfsanalysen.

Zusätzlich kündigte die Ministerin die Notwendigkeit regelmäßiger, vergleichbarer Studien an. Eine entsprechende Verpflichtung ergebe sich aus neuerer EU-Rechtsetzung. Hierzu laufe derzeit eine Abstimmung mit dem Innenministerium und dem Bundeskriminalamt.