Bamf überzieht EU-Fristen
Die Dauer von Asylverfahren beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hat im Jahr 2025 neue Höchstmarken erreicht. Im Schnitt dauerten die Prüfungen 12,2 Monate. Das ist ein deutlicher Anstieg und bedeutet, dass bei fast der Hälfte aller abgeschlossenen Verfahren die EU-Vorgabe von sechs Monaten für eine Entscheidung überschritten wurde. Fast 43,5 Prozent der Verfahren brauchten länger. Bei rund 17.000 noch anhängigen Fällen wurde sogar die absolute EU-Grenze von 21 Monaten geknackt. Die Linke kritisiert dies scharf: „Es ist nicht akzeptabel, dass zum Beispiel Geflüchtete aus dem Iran im Durchschnitt eineinhalb Jahre auf eine Entscheidung des Bamf warten müssen“, sagte Linken-Sprecherin Clara Bünger der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.
Gerichte werden schneller
Ein anderes Bild zeigt sich bei den Gerichten. Dort geht es bei Einsprüchen gegen Bamf-Entscheidungen zunehmend zügiger voran. Die Verfahrensdauer in Asylklageverfahren ist seit Jahren rückläufig. Lag sie 2021 noch bei durchschnittlich 26,5 Monaten, sank sie 2025 auf 14,3 Monate. Das liegt auch an einer besseren personellen Ausstattung der Gerichte. Besonders Eilverfahren, etwa bei offensichtlich unbegründeten Anträgen, werden mit einem Durchschnitt von nur 36,5 Tagen fast schon im Schnelldurchlauf erledigt.
Schnelle Entscheidungen für bestimmte Gruppen
Das Bamf hat indes bei Asylsuchenden mit geringen Anerkennungschancen einen neuen Rekord aufgestellt: Diese Fälle wurden in Rekordzeit abgeschlossen, meist unter einem Monat. Damit wird die Zielvorgabe der Ministerpräsidentenkonferenz vom Oktober 2023, solche Asylverfahren innerhalb von drei Monaten abzuschließen, weitgehend erfüllt. Dies betrifft allerdings nur einen kleinen Teil der Gesamtzahl, nämlich 6,6 Prozent aller Asylverfahren. Generell sinkende Schutzquoten lassen laut Bünger die Befürchtung zu, dass die politisch propagierte „Asylwende“ die Entscheidungsfindung beim Bamf negativ beeinflusst: „Es darf keinen Rechtsschutz zweiter Klasse geben“, mahnte sie.
Der Anstieg der Gesamtdauer der Verfahren erklärt sich auch durch den zwischenzeitlichen Entscheidungsstopp für Geflüchtete aus Syrien, die im Schnitt 14,1 Monate warten mussten. Länder mit ohnehin geringen Anerkennungschancen sehen hier schnellere Bescheide. Insbesondere Geflüchtete aus Nigeria mit durchschnittlich 20,4 Monaten, dem Iran mit 17,7 Monaten und dem Irak mit 17,1 Monaten mussten trotz fehlender Entscheidungsstopps besonders lange auf eine Antwort warten.
