Pistorius kritisiert Trump scharf
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat deutliche Kritik an Äußerungen von US-Präsident Donald Trump über den Einsatz in Afghanistan geübt. Trump hatte mutmaßlich verbündete Soldaten im Stich gelassen. Pistorius forderte daraufhin eine Entschuldigung.
Diese wäre, so Pistorius im Vorfeld der Sendung „Caren Miosga“, ein „Zeichen von Anstand und Respekt und auch von Einsicht“. Die Aussagen Trumps zum Tod von 59 Bundeswehr-Soldaten und den Verletzungen Hunderter weiterer seien „einfach unanständig und respektlos“. „Alle standen da, standen an der Seite der USA. Heute etwas anderes zu behaupten ist schlicht nicht wahr“, sagte der Minister.
Trotz der Schärfe der Kritik mahnte Pistorius zur Gelassenheit. „Ich finde, damit sollte man es bewenden lassen.“ Täglich über jede Äußerung auf sozialen Medien oder Pressekonferenzen zu kommentieren, binde zu viele Kräfte. „Wir hätten viel zu tun und keine Zeit mehr, uns um die wirklich wichtigen Dinge zu kümmern.“ Sollte er seinem US-Amtskollegen Pete Hegseth auf dem nächsten Treffen begegnen, werde er die Äußerungen Trumps aber „selbstverständlich“ ansprechen.
Grönland-Mission und die US-Drohungen
Pistorius verteidigte zudem die Entsendung von Bundeswehrsoldaten im Rahmen einer Nato-Erkundungsmission nach Grönland. Dies unterstreiche die Verantwortung für die Sicherheit der Arktis. Die von Trump kurzzeitig angedrohten Strafzölle gegen europäische Länder, die Soldaten entsandten, wertete Pistorius als Missverständnis. „In der Nato wussten alle Bescheid. Das war abgestimmt unter den Nato-Partnern“, erklärte er. Dass die Androhung der Strafzölle zurückgenommen worden sei, zeige ein „Missverständnis in Washington“.
Europa muss sich selbst helfen
Mit Blick auf das transatlantische Verhältnis konstatierte Pistorius eine veränderte Realität. Europa könne sich „nicht mehr in gleicher Weise auf die USA verlassen wie in den vergangenen“ 70 Jahren. Dies sei eine „Realität, vor der wir stehen“. Er bezog sich dabei auf Aussagen des kanadischen Premierministers und des Bundeskanzlers. Dieser „Epochenbruch“ erfordere eine klare Anpassung. Europa sei „auf exzellentem Weg“, die eigene Verteidigungsfähigkeit zu stärken und wolle bis 2029 „kriegstüchtig“ sein. Die Nato bleibe zentral, die USA spielten weiterhin eine Schlüsselrolle.