Im Mittelpunkt steht diesmal nicht die große Liebesgeschichte, sondern ein Konflikt, der im Alltag vieler Familien spielt: zwei Mädchen, ein Mobbingvorfall – und Erwachsene, die entscheiden müssen, ob Schweigen wirklich schützt.
Zwei Mädchen – und ein Konflikt, der eskaliert
Nach einem Mobbingvorfall will Sarah aus Angst vor Stella nicht mehr zur Schule. Für Katja Baumann ist klar: So kann es nicht weitergehen. Sie bittet die Schulleitung, die beiden Mädchen in Parallelklassen zu trennen – ein scheinbar pragmatischer Schritt, der jedoch nicht das eigentliche Problem löst.
„Frühling – Wenn alle schweigen“: In einem Restaurant: Lilly (Julia Willecke) und Noah (Richard Kreutz) sitzen sich gegenüber an einem mit zwei Salattellern, Wein und Kerzen gedeckten Tisch und schauen sich dabei lächelnd in die Augen. Lilly ist dabei leicht zu Katja (Simone Thomalla) gedreht, die mittig vor dem Tisch steht und interessiert Noah betrachtet.
Überraschend verändert sich die Dynamik, als Stella sich entschuldigt und Sarah ein Geheimnis anvertraut. Plötzlich wird deutlich: Auch die vermeintliche Täterin trägt eine schwere Last. In Stellas Familie herrscht Krise – ihre Mutter Ina verbietet dem Vater den Kontakt zu den gemeinsamen Kindern. Ein Machtkampf, der auf dem Rücken der Jüngsten ausgetragen wird.
Ein Film über das, was unausgesprochen bleibt
Der Titel ist Programm. Dieser „Frühling“-Film erzählt weniger über offene Gewalt als über Sprachlosigkeit. Über Eltern, die nicht zuhören. Über Kinder, die nicht wissen, wie sie um Hilfe bitten sollen. Und über Lehrer, Nachbarn und Freunde, die ahnen, dass etwas nicht stimmt – aber nichts sagen.
Regisseur Thomas Kronthaler setzt auf ruhige Bilder, lange Blicke und kleine Gesten. Das Drama entsteht nicht durch große Szenen, sondern durch das Weglassen. Gerade das macht den Film glaubwürdig.
Katja Baumann (Simone Thomalla, l.) findet die Begegnung mit Stella (Katharina Weitzendorf, r.) problematisch.
Katja Baumann zwischen Stärke und Zweifel
Simone Thomalla spielt Katja Baumann einmal mehr als ruhenden Pol der Reihe – empathisch, klar, aber nicht allwissend. Auch sie muss in dieser Folge akzeptieren, dass es keine einfachen Lösungen gibt. Dass Eingreifen Risiken birgt, Schweigen aber oft schlimmer ist.
Nebenhandlung mit Gewicht: Mark Weber muss kurzfristig nach Leipzig reisen, nachdem seine Mutter einen Schlaganfall erlitten hat. Die private Sorge rückt Katjas neue Nähe zu Dr. André Fabiansky in den Hintergrund – während bei Lilly und Adrian die Beziehung gefährlich ins Wanken gerät. Lillys Suche nach ihrem Vater bringt zusätzliche Unruhe in das Gefüge.
Kleine Hoffnung auf vier Pfoten
Wie so oft in „Frühling“ gibt es auch einen leichten Gegenpol zur Schwere der Hauptgeschichte. Ein ausgesetzter Dackelwelpe, gefunden von Roberta Rossi, landet schließlich beim Pfarrer – und bringt Wärme in eine Episode, die ansonsten bewusst zurückhaltend erzählt ist. Frau Niedermayer als mögliche neue Hundemama sorgt für ein stilles Lächeln, ohne die Ernsthaftigkeit des Themas zu untergraben.
Besetzung von „Frühling – Wenn alle schweigen“
- Simone Thomalla – Katja Baumann
- Marco Girnth – Mark Weber
- Kristo Ferkic – Adrian Steinmann
- Julia Willecke – Lilly Engel
- Gabriel Raab – Dr. André Fabiansky
- Katharina Weitzendorf – Stella Lamprecht
- Anna Triebel – Sarah Springer
- Caroline Ebner – Dr. Schneiderhan
- Johannes Herrschmann – Pfarrer Sonnleitner
- Catalina Navarro Kirner – Heidrun Niedermayer
Regie: Thomas Kronthaler
Buch: Natalie Scharf
Musik: Siggi Mueller
Erstausstrahlung: Sonntag, 25. Januar 2026, 20:15 Uhr, ZDF
Streaming: ZDFmediathek ab 10. Januar 2026
Fazit: Still, ernst – und genau deshalb stark
„Frühling – Wenn alle schweigen“ ist kein Wohlfühlfilm. Er ist ein leiser Appell, hinzusehen, zuzuhören und Verantwortung zu übernehmen. Wer sich darauf einlässt, bekommt kein großes Drama – sondern eine Geschichte, die lange nachwirkt.