Fatigue bleibt oft unerkannt

Multiple Sklerose: Wenn die Krankheit unsichtbar bleibt – AMSEL macht Symptome sichtbar

Foto: Foto: AMSEL e.V. / Martin Stollberg

Chronisch erschöpft, geistig blockiert, körperlich eingeschränkt – aber äußerlich gesund? Viele Menschen mit Multipler Sklerose (MS) erleben genau dieses Spannungsfeld tagtäglich. Rund um den „Unsichtbarkeitstag“ am 11. April will der Landesverband AMSEL e.V. in Baden-Württemberg für mehr Aufmerksamkeit sorgen: Denn über die Hälfte der MS-Symptome sind nicht sichtbar – weder für Freunde, Kollegen noch Arbeitgeber.

Ein Leben mit MS – ohne sichtbare Anzeichen

MS ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, deren Symptome sehr unterschiedlich ausfallen können. Laut dem deutschen MS-Register sind Mobilitätsprobleme (45 %), Fatigue (44 %), Sensibilitätsstörungen (41 %), Gleichgewichtsstörungen (39 %) und Blasenfunktionsstörungen (33 %) die häufigsten Beschwerden bei MS-Betroffenen in Baden-Württemberg.

Was viele nicht wissen: Der Großteil dieser Symptome ist für Außenstehende nicht erkennbar – und genau das macht sie so belastend. „Die Unsichtbarkeit verstärkt den Druck, sich ständig erklären zu müssen“, erklärt der Verband.

Fatigue – das schwer greifbare Leitsymptom

Ein besonders verbreitetes und zugleich unterschätztes Symptom ist die sogenannte Fatigue – eine krankhafte Erschöpfung, die sich nicht durch Schlaf oder Pausen lindern lässt. Anders als bei gewöhnlicher Müdigkeit wirkt sich Fatigue massiv auf körperliche und geistige Leistungsfähigkeit aus. Laut AMSEL betrifft sie mehr als die Hälfte aller MS-Patient:innen – bleibt aber bei über 63 % unbehandelt.

Gerade weil Fatigue an guten Tagen „unsichtbar“ bleibt, sorgt sie für Missverständnisse im Alltag. Viele Erkrankte sind dadurch früher als andere nicht mehr arbeitsfähig, ziehen sich sozial zurück oder sehen sich mit Unverständnis im beruflichen Umfeld konfrontiert.

AMSEL fordert mehr Verständnis und Aufklärung

Sina Knöpfle von AMSEL betont:
„Ein gebrochener Arm wird gesehen, MS-Symptome bleiben oft verborgen – das erzeugt enormen Druck. Wir müssen das Bewusstsein für die unsichtbaren Aspekte der Krankheit schärfen.“

Zum Umgang mit Fatigue rät die AMSEL zu Energie-Selbstmanagement, körperlichem Training und achtsamen Entspannungsverfahren. Die Informationsplattform www.amsel.de bietet laufend unabhängige Tipps und Angebote – von digitalem Austausch bis hin zu regionaler Beratung.

Zahlen und Fakten aus dem deutschen MS-Register

  • 45 %: Mobilitätseinschränkungen
  • 44 %: Fatigue
  • 41 %: Sensibilitätsstörungen
  • 39 %: Gleichgewichtsprobleme
  • 33 %: Blasenprobleme
  • > 63 %: Fatigue unbehandelt
  • 52 % der 14–17-Jährigen mit MS: Wunsch nach Gewichtsreduktion (aus anderen Studien)