Bestehendes Recht umsetzen

Kinderschutzbund plädiert gegen Social-Media-Verbot

Kinderschutzbund plädiert gegen Social-Media-Verbot
Foto: Junge Leute mit Smartphone (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Eine pauschale Sperre von Social-Media-Plattformen für Minderjährige unter 16 Jahren lehnt der Deutsche Kinderschutzbund ab. Stattdessen fordert die Organisation die konsequente Anwendung bereits bestehender Gesetze. Man dürfe nicht auf Verbote setzen, sondern müsse die Betreiber stärker in die Pflicht nehmen, so die Präsidentin.

Nur leere Versprechungen?

Der Deutsche Kinderschutzbund sieht in einem generellen Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren keine Lösung für anhaltende Probleme im Netz. „Es ist an der Zeit, bestehende Gesetze durchzusetzen, bevor man Jugendliche pauschal auszuschließen versucht“, betonte Sabine Andresen, Präsidentin des Kinderschutzbundes, im Gespräch mit der „Rheinischen Post“.

Risiken bleiben bestehen

Ein Verbot nämlich reduziere die komplexen Risiken, denen Kinder und Jugendliche im Netz ausgesetzt sind, nicht. Andresen ist überzeugt: „Jugendliche werden Wege finden, die Systeme zu umgehen, sie werden andere Plattformen finden, um sich zu begegnen und auszutauschen.“

Plattformen in der Verantwortung

Das Problem liege vielmehr in der mangelnden Umsetzung vorhandener Schutzmaßnahmen. Konzepte wie eine gestaffelte Freischaltung von Funktionen je nach Alter oder niedrigschwellige Meldesysteme für problematische Inhalte würden von den Plattformen „schlicht nicht umgesetzt“, kritisierte Andresen. Sie fordert daher eine stärkere Einbeziehung der Betreiber in die Verantwortung. „Ohne sichere Systeme zur Altersfeststellung ist ein Verbot nicht mehr als ein Freifahrtschein für Plattform-Betreiber, alle Bemühungen um den Kinder- und Jugendschutz einzustellen“, so die Präsidentin.