Rund zweihundert Narren waren in ihren traditionellen Häs nach Rust gekommen, um den „Spritzenmuck“ aus Ehingen zu feiern. Hagel ist kein Quereinsteiger im Brauchtum; er ist von Kindesbeinen an aktives Zunftmitglied. „Einer von uns“, hieß es aus den Reihen der VSAN-Spitze, was die Verleihung in diesem Jahr zu einer besonders familiären Angelegenheit machte.
Festliche Stimmung bei einer Veranstaltung mit bunten Hüten und Dekoration.
Überraschungs-Laudatio von Daniel Günther
Die größte Überraschung des Abends war jedoch der Gast auf der Rednerbühne. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther war extra in den tiefen Süden gereist, um die Laudatio auf seinen Parteifreund zu halten. Günther schlug dabei Töne an, die weit über den närrischen Anlass hinausgingen. In Reimform bescheinigte er Hagel das Format für höchste Staatsämter: „Manuel Hagel, das wär’ für Ba-Wü wohl der rechte Mann“, reimte Günther. Eine Steilvorlage für die anstehenden politischen Debatten im Land, die im Saal mit lautem Beifall quittiert wurde.
Klare Forderung: „Schluss mit dem Papierkram“
Doch die Fasnacht in Baden-Württemberg ist traditionell auch der Ort für Kritik an „denen da oben“. Paul Martin vom VSAN-Präsidium nutzte die Bühne, um Hagel direkt in die Pflicht zu nehmen. Das Thema: Die ausufernde Bürokratie, die den ehrenamtlichen Zünften zunehmend die Luft abschnürt. „Gib Gas beim Bürokratieabbau!“, lautete die deutliche Forderung. Die Botschaft kam an. Hagel, nun offiziell mit der vergoldeten Handglocke bewaffnet, versprach Abhilfe im närrischen Stil: „Als Träger der Schelle ruf ich in den Saal: Papierkram und Kruscht – das war einmal!“
Doppelte Ehre für die Familie Mack
Der Abend stand zudem im Zeichen eines großen Jubiläums. Da der Europa-Park in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert, ließen es sich die Narren nicht nehmen, auch die Gastgeber zu würdigen. Die Heimat-Narrenzunft aus Waldkirch ernannte Roland und Jürgen Mack zu Ehrennarren. Damit wurde die tiefe Verwurzelung der Unternehmerfamilie im regionalen Brauchtum unterstrichen. Roland Mack, der die Gäste gemeinsam mit VSAN-Präsident Roland Haag begrüßt hatte, zeigte sich sichtlich bewegt über die Auszeichnung aus der alten Heimat.
Verleihung der Goldenen Narrenschelle 2026 mit Festrednern und Maskottchen.
HINTERGRUND: Wer die Schelle kriegt – und warum
Seit dem Jahr 2006 wird die Goldene Narrenschelle alljährlich an eine Persönlichkeit verliehen, die sich nach Ansicht der VSAN einer „großen Narretei im Alltag schuldig gemacht“ hat. Was einst mit dem ehemaligen Sparkassen-Präsidenten Heinrich Haasis als erstem Preisträger begann, hat sich längst zu einem Gipfeltreffen von Prominenz aus Politik, Sport und Unterhaltung entwickelt.
Die Liste der „Beschellten“ zeigt die Bandbreite der Auszeichnung:
- Politik-Schwergewichte: Neben dem diesjährigen Preisträger Manuel Hagel wurden bereits Günther Oettinger (2008), der SPD-Politiker Wolfgang Thierse (2013) und der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach (2017) geehrt.
- Kultur & Show: Auch Unterhaltungsgrößen wie Schlagerlegende Tony Marshall (2011) oder zuletzt Showmaster Thomas Gottschalk (2024) durften die vergoldete Glocke bereits entgegennehmen.
- Kult-Faktor: Im Jahr 2019 ging die Schelle an den damaligen Freiburg-Trainer Christian Streich, der für seine authentischen Auftritte gewürdigt wurde.
Die Schelle bleibt dabei stets ein Augenzwinkern: Sie ist eine Anerkennung für Menschen, die trotz ihres Amtes oder Erfolgs den Sinn für Humor und die Nähe zum „echten Leben“ nicht verloren haben.



