Nur jede zehnte Gewalterfahrung landet bei der Polizei.

Dunkelfeld-Studie enthüllt: Gewaltverbrechen kaum angezeigt

Dunkelfeld-Studie enthüllt: Gewaltverbrechen kaum angezeigt
Foto: Vorstellung von Studie zu Gewalt am 10.02.2026, via dts Nachrichtenagentur

Eine neue Studie des Bundeskriminalamtes hat das Ausmaß unangezeigter Gewalt in Deutschland offengelegt. Die Zahlen sind alarmierend: Überwiegend psychische und physische Gewalt in Partnerschaften sowie sexuelle Übergriffe scheinen im Verborgenen stattzufinden. Betroffen sind besonders Frauen, junge Menschen und queere Personen.

Gigantisches Dunkelfeld bei Gewalt

Ein Großteil der erlebten Gewalt in Deutschland bleibt laut einer neuen Studie verborgen. Die Dunkelfeld-Studie „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag (LeSuBiA)“, durchgeführt vom Bundeskriminalamt in Kooperation mit Innen- und Familienministerium, zeigt erschütternde Anzeigequoten. Weniger als zehn Prozent der Gewalterfahrungen erreichen die Strafverfolgungsbehörden.

Bei psychischer und körperlicher Gewalt innerhalb von Beziehungen liegt die Anzeigerate sogar unter fünf Prozent. Das Darknet dieser Taten ist laut Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) „riesig“.

Opfer berichten von Angst und fehlender Hilfe

Prien betont, dass das Schweigen der Opfer kein persönliches Versagen ist, sondern oft auf Angst und mangelnde Hilfsangebote zurückzuführen sei. „Schuld und Scham liegen immer bei den Tätern, niemals bei den Betroffenen“, so die Ministerin.

Um die Situation zu verbessern, kündigte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) laut der Studie Maßnahmen an. Das spanische Fußfesselmodell soll eingeführt und der Einsatz von K.o.-Tropfen künftig wie der Einsatz einer Waffe geahndet werden.

Junge Menschen und Frauen besonders betroffen

Die Studie hebt hervor, dass vor allem Frauen, junge Menschen, Personen mit Migrationshintergrund und Angehörige der queeren Community häufiger Gewalt erfahren. Jüngere Personen sind zudem überproportional von sexueller Belästigung, digitaler Gewalt und K.o.-Tropfen betroffen.

Auch der familiäre Kontext spielt eine Rolle: Mehr als jede zweite junge Person berichtet von körperlicher Gewalt in der Kindheit durch Eltern. Sexuelle Belästigung hat im Laufe des Lebens fast die Hälfte der Befragten erlebt.

BKA-Präsident Holger Münch sieht in der Studie eine wichtige Grundlage zur Weiterentwicklung von Schutzangeboten. Gleichzeitig appelliert er an die Betroffenen, den Mut zu finden, Gewalt anzuzeigen, um Unterstützung zu erhalten.