BKA-Studie LeSuBiA: Gewaltdaten

Wiesbaden: Dunkelfeldstudie zeigt geringe Anzeigeraten bei Gewalterfahrungen — Weniger als zehn Prozent angezeigt

Polizeifahrzeug mit Blaulicht und digitalem Display.
Foto: Foto: Polizei BW

Wiesbaden (ots) – Das Bundeskriminalamt (BKA) hat die Ergebnisse der Dunkelfeldstudie „LeSuBiA“ (Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag) veröffentlicht. Die Studie zeigt, dass ein Großteil der Gewalterfahrungen in Deutschland nicht angezeigt wird. Die Anzeigeraten liegen für die meisten Gewaltformen unter zehn Prozent, bei psychischer und körperlicher Gewalt in Partnerschaften sogar unter fünf Prozent. Frauen, junge Menschen und Personen mit Migrationshintergrund sind besonders betroffen.

Wiesbaden (ots) – Neue Erkenntnisse aus der Dunkelfeld-Studie „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag (LeSuBiA)“ des Bundeskriminalamtes (BKA) beleuchten das Ausmaß von Gewalt in Deutschland. Die Studie, durchgeführt in Kooperation mit dem Bundesministerium des Innern und dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, offenbart alarmierend niedrige Anzeigeraten für Gewaltdelikte.
Unabhängig von der Art der Gewalt werden die meisten Taten nicht zur Anzeige gebracht. Die Anzeigeraten bewegen sich laut der Studie durchweg unter zehn Prozent. Besonders gravierend sind die Zahlen im Bereich der Partnerschaftsgewalt: Psychische und körperliche Gewalt innerhalb von (Ex-)Partnerschaften werden in unter fünf Prozent der Fälle angezeigt.
Besonders vulnerable Gruppen wie Frauen, junge Menschen, Personen mit Migrationshintergrund und Angehörige der queeren Community sind überproportional häufig von Gewalt betroffen. Frauen erleiden laut der Untersuchung häufiger und stärker partnerschaftliche und geschlechtsspezifische Gewalt, insbesondere bei sexuellen Übergriffen, sexueller Belästigung und Stalking.
Bundesfamilienministerin Karin Prien hob das immense Dunkelfeld bei partnerschaftlicher und sexualisierter Gewalt hervor und betonte die Notwendigkeit, Hürden für Opfer abzubauen und mit dem Gewalthilfegesetz ein verlässliches Schutznetz zu schaffen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sprach sich für den Schutz der Opfer und härtere Strafen für Täter aus, wobei er auch die Einführung des spanischen Modells der Fußfessel und die Gleichsetzung des Einsatzes von K.o.-Tropfen mit dem Einsatz einer Waffe thematisierte.
BKA-Präsident Holger Münch unterstrich die Bedeutung der Studie für die Weiterentwicklung von Schutz- und Hilfsangeboten und appellierte an die Betroffenen, den Mut zur Anzeige zu finden. Die Studie, die rund 15.000 Personen befragte, schließt eine langjährige Datenlücke und soll als empirische Grundlage für politische Entscheidungen, Präventionsmaßnahmen und Hilfsangebote dienen.
Weitere Informationen zur LeSuBiA-Studie finden Sie unter: www.bka.de/lesubia.