Mehr Selbstbewusstsein für Europa gefordert

Baerbock: Multipolarität „Riesenchance“ für EU

Baerbock: Multipolarität „Riesenchance“ für EU
Foto: Annalena Baerbock (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Anlässlich der Münchner Sicherheitskonferenz hat die Präsidentin der UN-Vollversammlung, Annalena Baerbock, Europa zu mehr außenpolitischem Selbstbewusstsein aufgerufen. Sie sieht in der neuen Weltordnung eine große Chance für die Stärkung der EU, besonders durch den Binnenmarkt und gezielte Handelspolitik.

Mehr Selbstbewusstsein in unsicheren Zeiten

Die Weltordnung wandelt sich, und genau hierin sieht die Präsidentin der UN-Vollversammlung, Annalena Baerbock, eine „Riesenchance“ für Europa. Beim Start der Münchner Sicherheitskonferenz appellierte die Grünen-Politikerin an die Europäische Union, endlich nach außenpolitisch erwachsen zu werden.

„Wenn sie diesen [EU-Binnenmarkt] sicherheitspolitisch mit ihren Freihandelsabkommen nutzt, dann ist man in Zukunft auch weniger erpressbar“, erklärte Baerbock im Gespräch mit „T-Online“. Sie plädiert dafür, die wirtschaftliche Stärke der EU auch als politisches und sicherheitspolitisches Werkzeug einzusetzen.

Lehren aus dem Grönland-Streit

Als möglicher Blaupause für den Umgang mit globalen Herausforderungen, einschließlich des transatlantischen Verhältnisses, nannte Baerbock die Strategie der EU im Grönland-Streit. „Die EU trat ge- und entschlossen auf und stellte sich vehement den Falschbehauptungen und Forderungen bezüglich Grönlands entgegen.“ Sie warnte eindringlich davor, dass die Verhandlung von Fakten und Wahrheit zu einer „Teufelsküche“ führen könne.

Die ehemalige Bundesaußenministerin mahnte eine Haltung des Mutes an. „Und wenn man aus Angst vor der nächsten Zolldrohung die europäische Solidarität aufgibt oder ins schweigende Appeasement verfällt, wird die EU insgesamt zum Spielball.“

Beziehung zu den USA erfordert Pragmatismus

Auch mit Blick auf das transatlantische Bündnis, das ihrer Ansicht nach von unterschiedlichen Interessen und Werten geprägt ist, sprach Baerbock von einer herausfordernden Zeit. Sie schilderte die Situation mit einer persönlichen Analogie: „Es tut immer weh, wenn eine Freundschaft kaputtzugehen droht, weil man nicht mehr die gleichen Interessen und Werte teilt.“ Dieses Gefühl sei auch in den USA spürbar. „Deshalb ist es aus meiner Sicht entscheidend, nicht nur abstrakt über Wirtschafts- und Sicherheitspolitik zu reden.“