Süße aus Peru in die Höhle

Andenkraft bei „Die Höhle der Löwen“: Kann Süße ohne Zucker die Löwen überzeugen?

Zwei Personen stehen auf einer Bühne mit Pflanzen und Dekorationen.

Justinian Gomez Moreno präsentiert mit Andenkraft Lebensmittel aus der peruanischen Yacon-Wurzel. Er erhofft sich ein Investment von 60.000 Euro für 20 Prozent der Firmenanteile.

Foto: RTL / Bernd-Michael Maurer

Mit einer Knolle aus den peruanischen Anden sorgt Justinian Emanuel Gomez Moreno (34) in der Höhle für Aufmerksamkeit. Der Gründer von Andenkraft präsentiert eine natürliche Zuckeralternative auf Basis der Yaconwurzel – und verbindet dabei Familiengeschichte, nachhaltigen Handel und modernen Ernährungstrend.

Sein Angebot an die Investoren: 60.000 Euro für 20 Prozent der Firmenanteile. Die Unternehmensbewertung liegt damit bei 240.000 Euro. Das Kapital soll vor allem in Vertrieb und Markterschließung fließen.

Eine Pflanze mit Tradition

Im Mittelpunkt steht die Yaconwurzel, eine seit Jahrhunderten in den Hochlagen der Anden angebaute Knollenpflanze. Anders als Zuckerrohr oder Zuckerrübe gehört Yacon zur Familie der Korbblütler. In Peru wurde die Knolle traditionell roh gegessen oder in Scheiben getrocknet. Erst später begann man, den süßlich schmeckenden Pflanzensaft einzukochen und als Sirup haltbar zu machen.

Die essbaren Speicherknollen bestehen zu einem großen Teil aus Wasser und enthalten komplexe Kohlenhydrate, insbesondere Fructooligosaccharide. Diese werden im menschlichen Stoffwechsel nicht vollständig wie herkömmlicher Zucker verwertet. In der Ernährungswissenschaft wird Yacon deshalb häufig im Zusammenhang mit einem moderateren Blutzuckeranstieg und präbiotischen Ballaststoffen diskutiert, die das Wachstum bestimmter Darmbakterien unterstützen könnten. Solche Aussagen gelten als ernährungsphysiologische Einordnung und nicht als medizinische Heilversprechen.

Von den Anden nach Europa

Andenkraft versteht sich als Vermittler zwischen traditioneller Landwirtschaft und modernem Ernährungsmarkt. Laut Gründer arbeitet das Unternehmen mit kleinbäuerlichen Betrieben in Peru zusammen, die fair bezahlt werden sollen. Damit verbindet die Marke mehrere Themen: alternative Süßungsmittel, nachhaltige Lieferketten und soziales Engagement.

Zum Sortiment zählen neben dem reinen Yacon-Sirup auch aromatisierte Varianten, Ballaststoffpulver, kakaohaltige Snacks sowie streichfähige Haselnusscremes – alles nach Herstellerangaben bio, pflanzlich und ohne künstliche Zusatzstoffe produziert. Besonders betont wird, dass die Produkte ohne Industriezucker und palmölfrei hergestellt werden.

Geschmacklich unterscheidet sich Yacon von klassischem Zucker. Der Sirup bringt eine mild-süße, leicht fruchtige Note mit, die weniger dominant wirkt als raffinierter Haushaltszucker. In modernen Küchen wird er häufig als Alternative zu Honig oder Agavendicksaft eingesetzt, etwa für Joghurt, Dressings oder Desserts. Beim starken Erhitzen kann sich der Geschmack verändern, weshalb eine schonende Verwendung empfohlen wird.

Ein emotionaler Pitch

Der Auftritt in der Höhle wird persönlich. Justinian erzählt von seiner peruanischen Herkunft und davon, dass das Wissen um Yacon in seiner Familie weitergegeben wurde. Seine Mutter Rosa steht mit im Studio und verteilt Kostproben an die Löwen – ein Moment, der die Präsentation deutlich emotionaler macht als viele klassische Food-Pitches.

Mann in buntem Hemd spricht vor einer bunten Kulisse mit Pflanzen und einem Lama.

Justinian Gomez Moreno präsentiert mit Andenkraft Lebensmittel aus der peruanischen Yacon-Wurzel. Er erhofft sich ein Investment von 60.000 Euro für 20 Prozent der Firmenanteile.

Foto: RTL / Bernd-Michael Maurer

Die Investoren zeigen sich geschmacklich positiv überrascht. Gleichzeitig werden kritische Fragen gestellt: Ist der Verkaufspreis für den Massenmarkt attraktiv genug? Wie hoch ist der Aufklärungsbedarf bei einem in Deutschland wenig bekannten Rohstoff? Und wie viel Marketing ist nötig, um Yacon als feste Alternative zu etablieren?

Marktchancen und Herausforderungen

Der Markt für Zuckeralternativen wächst seit Jahren. Verbraucher achten stärker auf Zuckergehalt, Herkunft von Rohstoffen und pflanzenbasierte Ernährung. Produkte mit Storytelling und kulturellem Hintergrund gelten im Handel als interessant, weil sie mehrere Trends gleichzeitig bedienen.

Doch genau hier liegt auch das Risiko. Exotische Zutaten benötigen oft intensive Aufklärungsarbeit. Anders als ein technisches Gadget oder ein sofort verständlicher Küchenhelfer ist Yacon erklärungsbedürftig. Der Erfolg hängt davon ab, ob Konsumenten bereit sind, neue Zutaten in ihren Alltag zu integrieren.

Andenkraft positioniert sich bewusst nicht als kurzfristiger Hype, sondern als langfristiger Ernährungsansatz. Die Marke verbindet traditionelle Anden-Landwirtschaft mit dem Anspruch, moderne Ernährung bewusster zu gestalten. Damit hebt sie sich von vielen typischen Konsumprodukten im Format ab.

Fazit

Andenkraft bringt mehr als nur einen Sirup in die Höhle – es ist ein Konzept aus Herkunft, Nachhaltigkeit und funktionalem Mehrwert. Geschmacklich überzeugt das Produkt, die Geschichte wirkt authentisch. Ob diese Kombination aus emotionalem Pitch, ernährungsphysiologischer Argumentation und wachsendem Gesundheitsbewusstsein für einen Deal reicht, hängt davon ab, ob die Löwen das Marktpotenzial ebenso süß finden wie das Produkt selbst.