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Teuerster Sturm in Europa

Albtraum an Weihnachten: Lothars zerstörerische Wut im Jahr ’99 – Viele Tote in BW & 11,5 Milliarden € Schaden europaweit!

Die vom Orkan ‚Lothar‘ verursachten Sturmschäden auf der Moos (die höchsten Erhebungen sind der 876,9 m ü. NHN hohe Siedigkopf und der 871,3 m ü. NHN hohe Mooskopf, eigentlich Geißschleifkopf) im mittlerwen Schwarzwald, aufgenommen im Mai 2000 aus dem Flugzeug.
Foto: Von Peter Nath – Eigenes Werk, CC BY 4.0, commons.wikimedia.org

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Anfänglich schien es, als würde lediglich ein gewöhnlicher Wintersturm aufziehen – genau so hatte es der Wetterdienst vorhergesagt. Aber das, was sich am zweiten Weihnachtstag 1999 über Baden-Württemberg hinwegbewegte, offenbarte sich rasch als eine der verheerendsten Naturkatastrophen in der Geschichte Baden-Württembergs.
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Orkan Lothar, ein Sturm von unvorstellbarer Wucht, traf mit zerstörerischer Kraft auf Baden-Württemberg und vor allem auf den Schwarzwald. Mit Windgeschwindigkeiten, die an der Wetterstation auf dem Feldberg mit 212 km/h und auf dem Hohentwiel bei Singen sogar mit 272 km/h gemessen wurden, verwandelte Lothar weite Landstriche in ein Trümmerfeld. Ganze Wälder im Schwarzwald, die sonst standhaft und majestätisch wirkten, knickten unter der Gewalt des Sturms ein, als wären sie nicht mehr als fragile Streichhölzer.

Albtraum an Weihnachten: Lothars zerstörerische Wut im Jahr '99 – Viele Tote in BW & 11,5 Milliarden € Schaden europaweit! Tempete Lothar
Die Schneise der Zerstörung: So zog Lothar über Europa hinweg.
Foto: Von Pierre cb in der Wikipedia auf Französisch – Travail personnel de Pierre_cb, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20719954

Zwei Stunden der totalen Verwüstung und Trauer

Zwischen 10 und 12.30 Uhr dieses zweiten Weihnachtsfeiertags entfaltete das Orkantief, das sich in der Biskaya gebildet hatte, seine volle, vernichtende Kraft. Die Bilanz dieser Naturgewalt war erschütternd: In Baden-Württemberg verloren am Sturmtag 13 Menschen ihr Leben. In Deutschland und fünf weiteren Ländern forderte Lothar insgesamt 110 Menschenleben. Auch Wochen nach dem Sturm kamen während der Aufräumarbeiten noch Menschen zu Tode, und zwar überwiegend im Privatwald, wo wenig geschulte Waldbesitzer und ihre Angehörigen bei den Holzbergungsarbeiten meist von unter Spannung stehenden Baumstämmen erschlagen wurden.

Bästenhardtwald bei Mössingen nach dem Sturm Lothar: Vorher hiebreifer Tannenbestand, nachher 17.000 fm Bruchholz.
Bästenhardtwald bei Mössingen nach dem Sturm Lothar: Vorher hiebreifer Tannenbestand, nachher 17.000 fm Bruchholz.
Foto: Von Benutzer:Michael Fiegle – Eigene Fotografie vom Januar 2000., CC BY-SA 3.0, commons.wikimedia.org

Verherende Waldschäden

Auf einer Fläche von rund 40.000 Hektar, vergleichbar mit der Größe von 56.000 Fußballfeldern, wurde der Wald vollständig zerstört. Das Krachen der brechenden Bäume hallte durch die Wälder, und am Ende lagen 30 Millionen Kubikmeter Sturmholz am Boden – eine Menge, die normalerweise in drei Jahren in der Forstwirtschaft geschlagen wird. Besonders im Schwarzwald, einem Gebiet, das für seine dichten und robusten Wälder bekannt ist, wütete der Orkan mit unerbittlicher Härte. Die Forstämter Lahr, Gengenbach, Baiersbronn und Pfalzgrafenweiler verzeichneten die schlimmsten Schäden in der Region. Doch die Zerstörung beschränkte sich nicht nur auf die Wälder; auch darüber hinaus hinterließ Lothar eine Spur der Verwüstung, die das Land und seine Bewohner tief prägte.

Albtraum an Weihnachten: Lothars zerstörerische Wut im Jahr '99 – Viele Tote in BW & 11,5 Milliarden € Schaden europaweit! Attalens 26 decembre 1999
Auch in der benachbarten Schweiz verursachte der Sturm erhebliche Schäden. Die abgerissene Kirchturmspitze in Attalens im Kanton Freiburg als Zeichen der Verwüstung durch Orkan Lothar.
Foto: Von Classiccardinal – Eigenes Werk, 2015-08-16, CC BY-SA 4.0, commons.wikimedia.org

Koordinierte Rettungsaktionen und Herausforderungen in der Nachwirkung von Orkan Lothar

Die Aufräumarbeiten begannen unmittelbar am Tag des Sturmes, wobei Einsatzkräfte der Feuerwehr, der Bergwacht Schwarzwald, des Deutschen Roten Kreuzes, des Technischen Hilfswerks und der Polizei aktiv wurden. Auch die Bundeswehr, darunter Soldaten der deutsch-französischen Brigade aus Donaueschingen, leistete Unterstützung. Die Koordination der Aufräumarbeiten wurde durch den Einsatz von Mobiltelefonen erleichtert, eine Neuerung im Vergleich zu früheren Sturmkatastrophen. Die massiven Waldschäden führten zu langanhaltenden Straßensperren und erheblichen Störungen des Schienenverkehrs. In vielen Ortschaften wurden Dächer abgedeckt, und es kam zu weitreichenden Stromausfällen sowie Störungen im Festnetz der Deutschen Telekom.

Gesamtschaden lag bei 11,5 Milliarden Euro

Lotha hinterließ eine Spur der Verwüstung mit enormen wirtschaftlichen Folgen. Swiss Re schätzte den Versicherungsschaden auf über 6 Milliarden US-Dollar, was ihn zu einem der teuersten Versicherungsfälle weltweit macht, übertroffen nur von wenigen anderen Stürmen wie Hurrikan Andrew, Taifun Mireille, Katrina und Hurrikan Harvey. In Deutschland belief sich der versicherte Schaden laut Aon Benfield auf rund 1,2 Milliarden Euro. Insgesamt beliefen sich die volkswirtschaftlichen Schäden in Europa auf etwa 11,5 Milliarden Euro, was die verheerende Wirkung dieses Sturms unterstreicht.

Heftige Kritik an Wettervorhersagen im Zuge von Orkan Lothar

In der Nachbetrachtung von Orkan Lothar entbrannte eine heftige Kritik am Deutschen Wetterdienst bezüglich seiner Vorhersagen. Der Vorwurf lautete, dass die Warnungen nicht ausreichend dringlich oder präzise gewesen seien. Der Wetterdienst verteidigte sich gegen diese Kritik, indem er anmerkte, dass private Wetterdienste in Deutschland oft vorschnell und mit dem Ziel der Aufmerksamkeitserregung Kritik üben würden. Als Reaktion auf diese Kontroverse und vor dem Hintergrund der globalen Erwärmung sowie der befürchteten Zunahme von extremen Wetterereignissen hat sich der Umgang mit Wetterwarnungen grundlegend gewandelt. Heute stehen EU-weite Unwetterzentralen zur Verfügung, die moderne und hochaktuelle Warnungen bieten. Diese Warnungen werden nun allgemein akzeptiert, selbst wenn die Ereignisse letztlich weniger gefährlich ausfallen als ursprünglich angenommen.

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Viele Jahre nach „Lothar“: Folgen sind noch immer sichtbar – Auf dem Lotharpfad darf sich die Natur ungestört entwickeln

Heute, viele Jahre nach dem verheerenden Durchzug von Orkan Lothar, sind die Spuren der Zerstörung im Schwarzwald immer noch sichtbar. Der Lotharpfad, ein lehrreicher und erlebnisreicher Pfad im Nationalpark Schwarzwald, illustriert eindrucksvoll die langfristigen Auswirkungen des Sturms. Gelegen zwischen Schliffkopf und Alexanderschanze, führt er Besucher durch eine Landschaft, die einst von Lothar verwüstet wurde.

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Foto: Nationalpark Schwarzwald / Charly Ebel

Auf diesem Pfad können Wanderer die natürliche Regeneration des Waldes beobachten. Die 10 Hektar große Fläche, die einst vom Sturm heimgesucht wurde, wurde als Bannwald deklariert und der Natur zur Selbstregeneration überlassen. Der Lotharpfad, der im Juni 2003 eröffnet wurde, ist ein 800 Meter langer Lehr- und Erlebnispfad, der über Treppen, Brücken und Stege führt, die aus dem vor Ort anfallenden Bruchholz gefertigt wurden. Er schlängelt sich über und unter den umgestürzten Bäumen hindurch und bietet eine einzigartige Perspektive auf die Kraft der Natur und ihre Fähigkeit zur Erholung nach einer Katastrophe.

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Foto: Nationalpark Schwarzwald / Charly Ebel

Eine Aussichtsplattform entlang des Pfades gewährt einen weiten Blick über die umliegenden Landschaften, darunter Braunberg, Lierbach, Oppenau, Straßburg und die Vogesen, und bei klarer Sicht sogar bis zum Feldberg, dem Kaiserstuhl und den Alpen. Seit der Gründung des Nationalparks im Jahr 2014 wird der Lotharpfad von der Nationalparkverwaltung betreut und zieht jährlich mehr als 100.000 Besucher an, die kommen, um die bleibenden Zeichen von Lothars Wirkung zu sehen und zu verstehen.

Quellen: www.nationalpark-schwarzwald.de, de.wikipedia.org,

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