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Sagen, Mythen und Rituale

Vom stochern, stechen und staken: 7 wasserreiche Feste und Traditionen in Baden-Württemberg

Nabada am Schwörmontag Ulm
Foto: Johannes Glöggler

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Wasser hat schon immer eine faszinierende Anziehungskraft auf die Menschen ausgeübt. Es dient nicht nur als lebenswichtige Ressource, sondern inspiriert auch zu Sagen, Mythen und Ritualen. Im Süden Deutschlands, genauer gesagt in Baden-Württemberg, gibt es eine Fülle von Bräuchen, Traditionen und Festen rund um das Element Wasser, die sowohl die lokale Geschichte als auch die Kultur der Region widerspiegeln.
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Sieden und Schießen: Schwäbisch Haller Kuchen- und Brunnenfest

Die Geschichte der „Haller Salzsieder“ reicht weit zurück in die Vergangenheit. Schon die Kelten gewannen Salz aus der Salzquelle neben dem Kocher. Im Mittelalter brachte der Handel mit dem „weißen Gold“ Schwäbisch Hall großen Reichtum. Aus dieser Zeit stammt auch das Salzsiederfest, dessen Ursprung in der Reinigung der Salzquelle vermutet wird. Diese mühsame Arbeit wurde mit festlichen Feierlichkeiten belohnt. Der Ablauf, die Kleidung und die Tanzformationen unterlagen strengen Vorgaben.

Kuchen- und Brunnenfest Schwäbisch Hall
Kuchen- und Brunnenfest Schwäbisch Hall
Foto: Nico Kurth

Heute gilt das „Kuchen- und Brunnenfest“ als eines der schönsten Heimatfeste im Süden. Es findet traditionsgemäß zu Ehren des Siederwesens statt und endet mit Salutschüssen, die den Himmel über Schwäbisch Hall erhellen. Weitere Informationen zum Fest finden Sie auf schwaebischhall.de.

Drehen und Mahlen: Deutscher Mühlentag

Jedes Jahr am Pfingstmontag drehen sich bundesweit die Wasserräder zum Deutschen Mühlentag, um die Bedeutung des Müllerhandwerks in Erinnerung zu rufen. Auch in Baden-Württemberg nehmen zahlreiche alte Mühlen an diesem Tag den Betrieb wieder auf und öffnen ihre Türen für Gäste.

Deutscher Mühlentag in Oberschwaben
Deutscher Mühlentag in Oberschwaben
Foto: Mühlenstraße Oberschwaben / Gerd Graf

In der Region Stuttgart gibt es vielfältige Möglichkeiten für einen Ausflug zu den Mühlen. Vom Siebenmühlental am Rande des Naturparks Schönbuch über den abwechslungsreichen „Mühlenwanderweg“ im Schwäbischen Wald bis zum beliebten „Glemsmühlenweg“ für Radfahrer. In Oberschwaben lohnt sich ein Besuch auf der über 100 Stationen umfassenden „Mühlenstraße“. Weitere Informationen finden Sie auf erlebnisregion-stuttgart.de und muehlenstrasse-oberschwaben.de.

Hauen und Stechen: Tübinger Stocherkahnrennen

„Die Stange bleibt am Mann“ – dieser Leitspruch ist in Tübingen allgegenwärtig. Wer sich nicht daran hält, findet sich schnell im Neckar wieder. Diese Tradition geht auf die Zeiten zurück, als die Studentenverbindungen die flachbodigen Boote, genannt Stocherkähne, übernahmen. Zuvor waren vor allem Neckarfischer mit ihnen unterwegs.

Tübinger Stocherkahnrennen
Tübinger Stocherkahnrennen
Foto: Verkehrsverein Tübingen / Barbara Honner

Heute sind die meisten der über 100 Stocherkähne im Besitz von studentischen Organisationen. Doch es gibt auch eigens zertifizierte „Stocherer“, die Gäste auf eine unvergessliche Fahrt auf dem Neckar mitnehmen. Normalerweise kreuzen sich die Wege der Kähne selten, aber an Fronleichnam wird der Fluss zum Schauplatz eines aufregenden Stocherkahnrennens um die Neckarinsel. Bei diesem kostümierten Wettrennen geht es alles andere als zimperlich zu. Das Siegerteam wird mit Bier belohnt, während die Verlierer einen halben Liter Lebertran ertragen müssen. Weitere Informationen finden Sie auf tuebingen-info.de.

Baden und Balancieren: Ulmer Schwörwoche

Am vorletzten Montag im Juli herrscht in Ulm Ausnahmezustand. Dieser Tag geht auf einen Eid aus dem 14. Jahrhundert zurück, bei dem der Bürgermeister schwört, für Arm und Reich gleichermaßen einzustehen. Nach diesem Schwur folgt das „Nabada“, bei dem Bürgerinnen, Honoratioren und Abenteurer in Schlauchbooten, Flößen und den berühmten „Ulmer Schachteln“ die Donau hinuntertreiben lassen.

Alle vier Jahre findet in der Schwörwoche das historische Fischerstechen statt. Dabei zielen die Stecher auf dem Heck der Boote mit ledergepolsterten Speerspitzen auf die Brust ihres Gegners. Wer stehen bleibt, gewinnt, während diejenigen, die ins Wasser fallen oder ins Boot treten, als „nass“ gelten und ausscheiden. Seit 1967 ist auch die „Lichterserenade“ fester Bestandteil der Festwoche. Rund 12.000 Schwimmkerzen werden aus den „Ulmer Schachteln“ auf die Donau gesetzt und verwandeln den Fluss in ein atemberaubendes Lichtermeer. Weitere Informationen finden Sie auf ulm.de.

Possen reißen und Posieren: Schramberger Da-Bach-na-Fahrt

Am Rosenmontag in Schramberg dreht sich alles um Schlachtrufe wie „Kanal voll“, „Batsch nass“ und „Furz trocken“. Diese sollte man beherrschen, um das Spektakel der „Bach-na-Fahrt“ richtig genießen zu können. Nach einem Umzug der Teams mit ihren dekorierten Holzzubern durch die Innenstadt folgt das eigentliche Highlight auf der Schiltach.

Die rund 500 Meter lange Wasserstrecke stellt Mensch und Material vor große Herausforderungen. Die Zuber müssen in den Wochen vor dem Event fahrtauglich gemacht und gestaltet werden. Erst am Ziel zeigt sich, wer sein Handwerk beherrscht und wer für zwei linke Hände bestraft wird. Weitere Informationen finden Sie auf bach-na-fahrt.de.

Treideln und Staken: Schwarzwälder Flößerei

Die Schwarzwälder Flößerei hat eine jahrhundertealte Tradition und wurde im Dezember 2022 sogar zum „Immateriellen Kulturerbe der Menschheit“ erklärt. Bis ins 19. Jahrhundert wurden tausende Tannenbäume über Bäche und Flüsse transportiert und gelangten über den Rhein sogar bis nach Holland.

Schiltacher Flößerfest 2023. Im Bild: Schiltacher Trachtenmädel
Schiltacher Flößerfest 2023. Im Bild: Schiltacher Trachtenmädel
TMBW / Andreas Weise

Im Kinzig- und Nagoldtal wird diese Tradition gepflegt und kann in Museen, auf Themenwanderwegen und bei Festen erlebt werden. Das internationale Flößerfest an der Monhardter Wasserstube in Altensteig bietet Einblicke in historische Waldberufe und Handwerkskünste wie das „Wiedendrehen“. Bei der Fahrt durch die „Wassergasse“ der Wasserstube demonstrieren die Mitglieder der Flößerzunft Oberes Nagoldtal ihr Können. Weitere Informationen finden Sie auf schwarzwald-kinzigtal.info und altensteig.de.

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Rudern und Beten: Allensbacher Seeprozession

Jeder kennt den Nikolaus, aber nur wenige wissen, dass er auch der Patron der Seefahrer ist. In Allensbach am Bodensee wurde dem Märtyrer im Jahr 1300 eine kleine Kirche gewidmet. Da die Gemeinde zum Kloster Reichenau gehörte, mussten die Gläubigen trotzdem mit dem Boot über den Gnadensee zur Inselkirche St. Peter und Paul in Niederzell fahren, um dort die Heilige Messe zu besuchen.

Heute führt die Seeprozession am ersten Sonntag im Juli zum Reichenauer Münster St. Maria und Markus in Mittelzell. Diese Tradition erinnert immer noch an die enge Verbundenheit von Allensbach und der Reichenau. Die Verknüpfung mit dem religiösen Brauch der Verehrung der Heiligblutreliquie hat die Festzeremonie theologisch aufgewertet. Seit den 1970er-Jahren wird die Reliquie am „Monatssonntag“ im Münster ausgestellt. Weitere Informationen finden Sie auf allensbach.de.

Diese Wasserfeste und Traditionen in Baden-Württemberg verbinden Geschichte, Kultur und den Spaß am Element Wasser. Sie bieten eine einzigartige Gelegenheit, tief in die lokale Kultur einzutauchen und die lebendige Geschichte der Region zu erleben. Entdecken Sie die Vielfalt dieser faszinierenden Veranstaltungen und lassen Sie sich von der Magie des Wassers verzaubern.

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