Für viele Regionen ist das ein kleiner Wermutstropfen: Mehr Reisende bedeuten nicht automatisch mehr Umsatz, wenn die Aufenthalte schrumpfen.
Inländische Gäste sorgen für Zuwächse – Auslandsbesuche brechen ein
Besonders erfreulich für Hoteliers und Gastgeber: Die Deutschen entdecken das Ländle wieder für sich. Die Zahl der Inlandsurlauber stieg um 2,2 %, ihre Übernachtungen sogar um 0,7 %.
Weniger erfreulich: Die internationalen Gäste machen sich rar. Die Ankünfte aus dem Ausland sanken um 1,0 %, bei den Übernachtungen war der Rückgang mit –4,3 % sogar deutlich spürbar. Gerade in Städten wie Stuttgart, die stark auf internationale Geschäfts- und Städtetouristen setzen, hinterlässt das Spuren.
Gewinner und Verlierer unter den Reisegebieten
Ein Blick auf die neun Reisegebiete Baden-Württembergs zeigt, wie unterschiedlich die Entwicklungen verlaufen:
- Hegau: +7,3 % Übernachtungen – die Vulkanlandschaft punktet mit Naturerlebnissen, Bodenseenähe und neuen Radwegen.
- Mittlerer Schwarzwald: +1,1 % – Schwarzwald-Romantik und Wanderurlaub ziehen weiterhin.
- Bodensee: +1,1 % – Klassiker mit stabiler Nachfrage, auch bei Tagesausflüglern.
- Württembergisches Allgäu-Oberschwaben: –1,2 % – leichte Einbußen trotz Thermalbädern und Klosterlandschaften.
- Region Stuttgart: –4,0 % – der größte Rückgang im Land, wohl auch wegen sinkender internationaler Geschäftsreisen.
Während der Hegau neue Besucherrekorde feiert, muss die Landeshauptstadt hart um ihre Gäste kämpfen.
Warum bleiben die Gäste kürzer?
Reiseexperten sehen mehrere Gründe für die kürzere Aufenthaltsdauer:
- Trend zu Kurzurlauben: Städtereisen und Wochenendtrips ersetzen klassische Wochenaufenthalte.
- Höhere Preise: Steigende Kosten für Hotels, Gastronomie und Freizeitangebote lassen Gäste kürzen.
- Flexible Arbeitsmodelle: Wer mobil arbeitet, reist öfter, aber bleibt kürzer.
- Mehrere Ziele pro Reise: Urlauber kombinieren Baden-Württemberg mit anderen Regionen, statt lange an einem Ort zu bleiben.
Ausblick auf die zweite Jahreshälfte
Die Tourismusbranche schaut nun gespannt auf den Herbst, der traditionell Wanderer, Genießer und Kulturreisende anzieht. Sollte das Wetter mitspielen und internationale Gäste zurückkehren, könnte das zweite Halbjahr für ein deutlich ausgeglicheneres Ergebnis sorgen.