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Fußball-Euphorie in Karlsruhe

Karlsruhe, wo Fußballgeschichte geschrieben wurde: Deutschlands erster Länderspielsieg!

Erster Auftritt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft: Am 5. April 1908 debütierte das Team in Basel gegen die Schweiz. Trotz einer 3:5-Niederlage unter der Führung von Kapitän Arthur Hiller, markierte dieses Spiel den Beginn einer neuen Ära im deutschen Fußball
Von unbekannt – „Der Sonntag“ (Der Sonntag Verlags GmbH, Freiburg i. Br.), Ausgabe 30. März 2008 [1], PD-alt-100, de.wikipedia.org

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Fußballbfans aufgepasst! Während wir uns auf die Heim-EM im nächsten Jahr freuen, ist es an der Zeit, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen und ein bedeutendes Kapitel der deutschen Fußballgeschichte zu beleuchten: den ersten Sieg der Nationalmannschaft.

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Diese Geschichte, geprägt von Herausforderungen und Wendungen, führte zu einem triumphalen Erfolg und legte den Grundstein für die zukünftige Dominanz Deutschlands im Weltfußball. Ein Rückblick, der besonders jetzt, im Vorfeld eines großen Heimturniers, Inspiration und Stolz weckt.

Der Beginn einer Rivalität: Deutschland gegen die Schweiz

Am 5. April 1908 stand die deutsche Fußballnationalmannschaft im Landhof-Stadion in Basel der Schweizer Mannschaft gegenüber. Dieses Spiel, das als „freundschaftlicher Länderkampf“ bezeichnet wurde, endete mit einem 5:3-Sieg für die Schweiz. Für die Eidgenossen war es ein historischer Moment – ihr erster Sieg im dritten Länderspiel. Deutschland hingegen musste eine Niederlage hinnehmen, doch dies war erst der Anfang einer langen und ereignisreichen Geschichte.

Traditionelle Gegner: Die Schweiz und Deutschland

Die Schweiz hat in der Geschichte des deutschen Fußballs eine besondere Rolle gespielt. Sie war nicht nur der erste Gegner der deutschen Nationalmannschaft, sondern trat auch nach beiden Weltkriegen und nach der Wiedervereinigung Deutschlands als erster Gegner gegen die deutsche Elf an. Diese Begegnungen bildeten den Grundstein für eine langjährige Rivalität zwischen den beiden Nationen.

Der Weg zum ersten Sieg

Der erste Sieg der deutschen Nationalmannschaft ließ nicht lange auf sich warten. Am 4. April 1909, fast genau ein Jahr nach der Niederlage in Basel, besiegte Deutschland die Schweiz in Karlsruhe mit 1:0. Vor 7.000 Zuschauern erlebte die Mannschaft einen Moment des Triumphes, der in die Annalen des deutschen Fußballs einging. Dieser Sieg in Karlsruhe, im heutigen Baden-Württemberg, war ein wichtiger Meilenstein in der frühen Fußballgeschichte Deutschlands.

Hinter den Kulissen: Auswahlverfahren und Herausforderungen

Doch der Weg zu diesem ersten Sieg war alles andere als einfach. Bereits vor dem ersten Länderspiel gab es interne Auseinandersetzungen innerhalb des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) über das Auswahlverfahren der Spieler. Man entschied sich schließlich dafür, nur Spieler aus Regionen einzuladen, in denen bereits organisiert Fußball gespielt wurde. Dieses Verfahren war jedoch nicht ohne Tücken.

Chaos und Unordnung

Viele Spieler erfuhren von ihrer Nominierung erst durch die Zeitung, bevor sie die offizielle Einladung des DFB erhielten. Die Anreise zu den Spielen war oft schwierig, und viele Spieler bevorzugten es, für ihre Vereine zu spielen, anstatt für die Nationalmannschaft anzutreten. Dies führte zu zahlreichen Absagen und zwang den DFB, Strafen für Absagen einzuführen und sogar Regelungen zu treffen, die es Vereinen erlaubten, Spiele zu wiederholen, wenn sie während der Abstellung eines Spielers verloren hatten.

Der Wendepunkt: Zwei Spiele an einem Tag

Um den Diskussionen um die Nominierung zu entgehen, kam der DFB auf die Idee, an einem Tag zwei Spiele durchzuführen. So konnten 22 Spieler nominiert werden, was die Spannungen innerhalb des Verbandes milderte. Am 4. April 1909, dem Tag des ersten Sieges gegen die Schweiz, wurden zwei Länderspiele ausgetragen. In Karlsruhe spielten ausschließlich süddeutsche Spieler, während in Budapest Spieler aus Nord- und Mitteldeutschland gegen Ungarn antraten.

Der erste Sieg: Eine Frage der Regionalität

Der erste Sieg der deutschen Nationalmannschaft ist teilweise darauf zurückzuführen, dass eine Mannschaft mit ausschließlich süddeutschen Spielern aufgestellt wurde. Diese Spieler kannten sich untereinander besser und waren daher besser eingespielt.

Das wegweisende Länderspiel in Karlsruhe

Das historische Länderspiel, das je nach Zählweise als das fünfte oder sechste der deutschen Fußballgeschichte gilt, fand am 4. April 1909 im Stadion des Karlsruher FV statt. Der Veranstalter hatte im Vorfeld mit großangelegten Reklamebannern für den Ländervergleich geworben – eine Investition, die sich auszahlte. Schon in den frühen Nachmittagsstunden strömten die Menschenmassen „zu Fuß, per Rad, mit der Droschke und im Automobil“ zum Spielort.

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Das historische Karlsruher Fußballstadion mit der 1907 erbauten Zuschauertribüne, aufgenommen vor der Errichtung des neuen Vereinsheims im Jahr 1909
Foto: © Stadtarchiv Karlsruhe 8/SpoA 1303

Zusätzliche Besucher wurden per Eisenbahn und Albtalbahn aus umliegenden Städten wie Mannheim, Frankfurt am Main, Wiesbaden, Stuttgart, Pforzheim, der Pfalz, Straßburg und Freiburg herantransportiert. Allein aus Pforzheim kamen 700 Personen, und auch aus der Schweiz reisten zahlreiche Zuschauer an. Die Karlsruher Straßenbahnen, die Sonderwagen einsetzten, waren überfüllt. Die Zuschauerzahl lag bei etwa 5.000 bis 7.000 Menschen, und selbst Soldaten aus der nahegelegenen Telegraphenkaserne verfolgten das Spiel aus den Fenstern. Auf der Tribüne fanden sich hochrangige Vertreter von Staat, Militär und Stadt ein. Als Schirmherr der Veranstaltung war Prinz Max von Baden vorgesehen, ein bekennender Fußballfan und Förderer des KFV, der jedoch aufgrund einer Erkältung absagen musste.

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Prinz Max von Baden, verfolgt gespannt das packende Duell zwischen dem Karlsruher FV und der Universitätsmannschaft aus Oxford am 24. März 1907 – ein historischer Moment im KFV-Stadion.
Foto: © Stadtarchiv Karlsruhe 8/SpoA 1298

Die deutsche Nationalmannschaft trat im offensiven 2-3-5-System, auch bekannt als „Schottische Furche“, an. Das Team bestand aus Spielern wie Eberhardt Illmer im Tor, Otto Nicodemus und Robert Neumaier in der Verteidigung, den Außenläufern Karl Burger und Arthur Hiller sowie dem Spielführer und Mittelläufer Josef Glaser. Im Angriff sorgten Emil Oberle, Hermann Schweickert, Eugen Kipp, Fritz Förderer und Otto Löble für Torgefahr. Bemerkenswert war, dass drei der elf Spieler aus Karlsruher Vereinen stammten. Als Schiedsrichter fungierte Albert Sohn aus Frankfurt am Main.

Das Spiel begann kurz nach 15:30 Uhr und wurde von Anfang an durch heftigen Wind beeinträchtigt. Beide Mannschaften zeigten in der Anfangsphase starke Leistungen mit Chancen auf beiden Seiten. Im Laufe der ersten Halbzeit entwickelte sich jedoch eine deutsche Dominanz, die in zahlreichen Angriffen resultierte. Trotz starker Abwehrleistungen des Schweizer Torwarts gelang es Eugen Kipp in der 38. oder 40. Spielminute, die deutsche Mannschaft in Führung zu bringen.

Eugen Kipp, gelang der Siegtreffer in Karlsruhe
Eugen Kipp, gelang der Siegtreffer in Karlsruhe
Foto: Gemeinfrei

In der zweiten Halbzeit konnte Deutschland die Leistung der ersten 45 Minuten nicht ganz halten. Die Stürmer agierten zunehmend eigensinnig und ließen durch Schussunsicherheit beste Chancen ungenutzt. Trotzdem gelang es der Schweiz nicht, signifikante Torchancen zu kreieren, dank der starken deutschen Abwehr. Der Sieg wurde vom „Badischen Beobachter“ enthusiastisch gefeiert mit den Worten „Den Siegern, dem Deutschen Fußballbund, ein kräftiges Hipp, Hipp, Hurrah!“

Nach dem Spiel fand im Hotel-Restaurant „Friedrichshof“ ein Festessen statt, an dem Spieler, Vertreter der Fußballvereine, des Deutschen und Schweizer Fußballbunds sowie der Karlsruher Stadtrat Leopold Kölsch teilnahmen. Es wurden Ansprachen gehalten, die die Leistungen beider Mannschaften lobten, und der Abend wurde musikalisch von Eugen Kalnbach, einem Opernsänger am badischen Hoftheater, untermalt. Dieses Länderspiel in Karlsruhe war nicht nur ein sportlicher, sondern auch ein gesellschaftlicher Höhepunkt und markierte einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte des deutschen Fußballs.

Ein historischer Moment: 100 Jahre später

Das Jubiläumsspiel zum 100. Jahrestag des ersten Länderspiels des DFB am 26. März 2008, das zugleich das 800. Länderspiel einer deutschen Mannschaft war, wurde ebenfalls gegen die Schweiz ausgetragen. Deutschland gewann dieses Spiel mit 4:0, ein weiterer Meilenstein in der langen Geschichte der Rivalität zwischen den beiden Nationen.

Fazit: Ein Sieg, der Geschichte schrieb und der Beginn einer Erfolgsgeschichte

Der erste Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft in Karlsruhe war weit mehr als nur ein gewonnenes Spiel. Er markierte den Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte, die Deutschland zu einem der dominantesten und respektiertesten Teams im Weltfußball machte. Seit diesem historischen Sieg hat die deutsche Mannschaft eine beeindruckende Bilanz aufgebaut: 20 Teilnahmen an Fußball-Weltmeisterschaften seit 1934, gekrönt von vier Weltmeistertiteln in den Jahren 1954, 1974, 1990 und 2014. Auch auf europäischer Ebene hat Deutschland seine Stärke unter Beweis gestellt, mit 13 Teilnahmen an der Europameisterschaft seit 1972 und drei Europameistertiteln in den Jahren 1972, 1980 und 1996. Darüber hinaus triumphierte die Mannschaft beim Konföderationen-Pokal 2017, einem weiteren Beweis für ihre anhaltende Dominanz im internationalen Fußball.

Diese beeindruckende Erfolgsgeschichte begann in Karlsruhe – einem Ort, der in die Geschichte des deutschen Fußballs eingegangen ist. Der Sieg dort war der Funke, der das Feuer der Begeisterung und des Erfolgs entfachte, welches bis heute in der deutschen Fußballkultur brennt. Er zeigt, dass große Erfolge oft bescheidene Anfänge haben und dass Ausdauer, Teamgeist und Hingabe die Schlüssel zum Triumph sind. Dieser historische Rückblick ist nicht nur eine Hommage an die Anfänge des deutschen Fußballs, sondern auch eine Inspiration für zukünftige Generationen, die in die Fußstapfen dieser Fußballlegenden treten wollen.

Quellen: Wikipedia, Stadt Karlsruhe, DFB

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