Nur gut 40 Prozent geimpft

Grippeimpfung bei Senioren auf Tiefststand – Deutschland hinkt WHO hinterher

Grippeimpfung bei Senioren auf Tiefststand – Deutschland hinkt WHO hinterher
Foto: Impfspritze mit Moderna wird aufgezogen (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Die Grippeschutzimpfung bei Menschen über 60 Jahren hat im vergangenen Jahr einen neuen Tiefpunkt erreicht. Nur noch knapp über 40 Prozent ließen sich impfen und unterschritten damit deutlich die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation. Besonders besorgniserregend: Auch vulnerable Gruppen wie Pflegebedürftige oder Herzinfarktpatienten werden nicht ausreichend geschützt.

Impfen: Über 60-Jährige nur noch zu 40,8 Prozent geschützt

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die jährliche Grippeschutzimpfung für Senioren. Doch die Realität sieht anders aus: Wie Daten der Krankenkasse Barmer zeigen, lag die Impfquote bei den Über-60-Jährigen 2023 nur bei 40,8 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit dem Ende der Corona-Pandemie.

Zum Vergleich: Im ersten Corona-Jahr 2020 hatten sich noch knapp 49 Prozent impfen lassen. Zwar nähert sich die Quote dem Niveau vor der Pandemie, das bei etwa 39 Prozent lag. Doch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt eine Zielmarke von 75 Prozent an – ein Wert, der in Deutschland weit verfehlt wird.

Regionale Unterschiede und Risikogruppen vergessen

Die Impfquoten schwanken teils erheblich zwischen den Bundesländern. Während in Sachsen-Anhalt mit 55,2 Prozent die höchste Impfquote erzielt wurde, lag diese in Baden-Württemberg bei nur 29,7 Prozent.

Besonders alarmierend ist die Situation bei besonders gefährdeten Personengruppen. Bei stationär Pflegebedürftigen erreichten die Impfquoten lediglich 48,9 Prozent, bei häuslich Pflegebedürftigen 45,6 Prozent. Erschreckend: Ältere Pflegebedürftige (ab 70 Jahren) wurden sogar seltener geimpft als Gleichaltrige ohne Pflegebedarf. Ähnlich sieht es bei Herzinfarkt-Patienten aus: In der Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen lag die Impfquote bei nur 43,5 Prozent, also sogar unter der der Allgemeinbevölkerung in dieser Altersgruppe.

Appell: Schutz für vulnerable Gruppen dringend nötig

Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der Barmer, mahnt: „Gerade bei den vulnerablen Gruppen ist eine Influenzaimpfung wichtig.“ Er verweist auf Studien, die belegen, dass Herzpatienten nach einer Impfung signifikant bessere Überlebenschancen haben. Dennoch würden die wichtigen Impfempfehlungen seiner Meinung nach unzureichend umgesetzt.

Die aktuellen Zahlen basieren auf den Daten der Barmer, einer der größten Krankenkassen Deutschlands mit über acht Millionen Versicherten. Ergebnisse für die Jahre 2024 und 2025 stehen noch aus.