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Vor dem Anpfiff kommen ihm die Tränen

Christian Streichs tränenreicher Abschied beim SC Freiburg: „Bin maximal enttäuscht von mir“

Foto: Ctruongngoc – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, commons.wikimedia.org
SC Freiburg vs FSV Mainz 17. August 2013

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Am letzten Spieltag der Bundesliga-Saison 2023/2024 nahm Christian Streich, der langjährige Trainer des SC Freiburg, Abschied von seinem Amt. Das Spiel gegen den 1. FC Union Berlin endete in einer 1:2-Niederlage für Freiburg und markierte einen emotionalen, wenn auch enttäuschenden Abschluss von Streichs beeindruckender Laufbahn beim SC. Schon vor dem Spiel war die emotionale Belastung sichtbar, als Streich, sichtlich bewegt, Tränen in den Augen hatte.
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Eine Ära geht zu Ende

Nach zwölf Jahren, in denen er die Geschicke des SC Freiburg gelenkt hatte, stand Streich vor seinem letzten Spiel bereits im Fokus emotionaler Momente. In einem Interview mit Sky kurz vor der Partie sprach er stockend über die letzten Wochen, die von großer Anteilnahme und Unterstützung geprägt waren. „Ich bin seit Wochen umgeben von unzähligen Menschen, die mir viel entgegenbringen“, offenbarte Streich, sichtlich berührt von der Welle der Sympathie. Ein einfühlsamer Moment mit dem Sky-Moderator, der ihn tröstend in den Arm nahm, unterstrich die tiefe Verbundenheit und den Respekt, den Streich in der Fußballwelt genießt.

Selbstkritik nach verpasster Europacup-Chance

Das Saisonende war für Streich und den SC Freiburg besonders frustrierend, da das Team die letzten fünf Spiele nicht gewinnen konnte und somit eine Qualifikation für den Europapokal verpasste. In der Endabrechnung rutschte Freiburg auf den zehnten Tabellenplatz ab. Nach dem Spiel äußerte sich ein selbstkritischer Streich: „Dass wir die letzten Wochen kein Spiel gewonnen haben, ist unglaublich. Das muss ich mir vorwerfen lassen.“ Seine Enttäuschung war groß: „Ich bin jetzt maximal enttäuscht von mir, dass ich es nicht geschafft habe, der Mannschaft den letzten Impuls zu geben. Es tut mir leid für die Fans und die Mannschaft.“

Was bleibt, sind die Menschen

Auf die Frage, was er am meisten vermissen werde, antwortete Streich einfach: „Die Menschen.“ Diese Antwort spiegelt die tiefe menschliche Verbindung wider, die Streich während seiner Zeit in Freiburg aufgebaut hat. Es ist diese menschliche Dimension, gepaart mit seiner fachlichen Kompetenz, die ihn zu einer Kultfigur in Freiburg und darüber hinaus gemacht hat.

Ein unkonventioneller Aufstieg zum Erfolg

Christian Streich, geboren 1955 in Weil am Rhein, begann seine Karriere fernab von professionellen Fußballakademien. In Eimeldingen, einem Dorf mit nur 2.500 Einwohnern, half er im Metzgereibetrieb seiner Eltern, bevor er Fußball als seine wahre Leidenschaft entdeckte. Trotz einer späteren Ausbildung zum Industriekaufmann blieb der Fußball seine große Liebe. Er spielte in der Amateur- und Regionalliga, bevor er über den Umweg FV Lörch schließlich beim SC Freiburg landete. Seine Spielerkarriere führte ihn durch verschiedene Stationen, von der Jugend des Freiburger FC bis hin zu den Stuttgarter Kickers, mit denen er 1987 das DFB-Pokalfinale erreichte.

Eine beeindruckende Trainerlaufbahn

Seine wirkliche Berufung fand Streich jedoch abseits des Spielfeldes, als er die Trainerbank des SC Freiburg übernahm. Zuerst als Jugendcoach und später als Leiter der Nachwuchsabteilung begann er, das Fundament für zukünftige Erfolge zu legen. Er gewann mit der A-Jugend den deutschen Juniorenvereinspokal und die deutsche A-Jugendmeisterschaft, bevor er zum Cheftrainer der ersten Mannschaft aufstieg. Unter seiner Leitung erlebte der SC Freiburg sowohl Höhen als auch Tiefen, darunter den sensationellen fünften Platz in der Bundesliga, der zur Qualifikation für die Europa League führte, und ein dramatisch verlorenes DFB-Pokalfinale gegen RB Leipzig.

Mehr als nur Fußball

Streich war bekannt für seine emotionale Art, seine tiefgehenden philosophischen Ansichten und sein Engagement für soziale Themen. Er sprach sich gegen die Kommerzialisierung des Fußballs aus und setzte sich für Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit ein, was ihm weit über die Fußballwelt hinaus Anerkennung einbrachte. Seine offenen Kommentare zu politischen Themen und seine Unterstützung für Bewegungen wie Fridays for Future zeigten, dass sein Einfluss weit über die technischen Aspekte des Spiels hinausging.

Bilder aus Freiburg im Breisgau Christian Streich auf einem Graffito an der Mauer von der Dreisam zur Leo Wohllebstraße. Andreas Herre ein 23 jähriger Künstler hat zusammen mit Julian Mielke dieses Graffito am 29.04.2014 zum Klassenerhalt im des SC Freiburg im Jahr 2014 gemalt. Grundlage war ein Bild aus 2012 aus einem Spiel gegen Hertha BSC. Die beiden Künstler studieren an der PH Freiburg. Quelle: fudder.de
Bilder aus Freiburg im Breisgau Christian Streich auf einem Graffito an der Mauer von der Dreisam zur Leo Wohllebstraße. Andreas Herre ein 23 jähriger Künstler hat zusammen mit Julian Mielke dieses Graffito am 29.04.2014 zum Klassenerhalt im des SC Freiburg im Jahr 2014 gemalt. Grundlage war ein Bild aus 2012 aus einem Spiel gegen Hertha BSC. Die beiden Künstler studieren an der PH Freiburg. Quelle: fudder.de
Foto: © Jörgens.mi, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32541070

Ein Abschied, der in Erinnerung bleibt

Das letzte Spiel gegen Union Berlin war emblematisch für die Herausforderungen und den Kampfgeist, den Streich während seiner Amtszeit immer wieder gezeigt hatte. Trotz der Niederlage feierten die Fans und Spieler ihn für seine unermüdliche Arbeit und seinen unverwechselbaren Beitrag zum deutschen Fußball. Christian Streich hinterlässt nicht nur eine Lücke beim SC Freiburg, sondern in der gesamten Bundesliga. Seine Philosophie, die junge Talente fördert und ethische Werte hochhält, wird als wesentlicher Teil seines Erbes betrachtet.

Dokumentation

Die neue Dokumentation „Christian Streich – Ende einer Ära“ beleuchtet eindrucksvoll die Karriere und das Vermächtnis von Christian Streich, einem der markantesten Trainerfiguren der Bundesliga. Er bietet tiefe Einblicke in die emotionalen Höhepunkte sowie die inspirierenden Aspekte seiner Laufbahn als Fußballlehrer und gesellschaftlicher Kommentator. Ein Muss für alle Fans und Bewunderer von Streichs einzigartiger Karriere.

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Danke, Christian Streich, und alles Gute für die Zukunft

Mit Streichs Abgang endet nicht nur eine Ära in Freiburg, sondern auch die Karriere eines Mannes, der den Fußball lebte wie wenige andere. Er hinterlässt ein nachhaltiges Erbe, das sich sowohl in den Erfolgen des Teams als auch in der Weiterentwicklung des Clubs widerspiegelt. Christian Streich wird als einer der charismatischsten und einflussreichsten Trainer in die Geschichte eingehen. Danke, Christian Streich, und alles Gute für die Zukunft.

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