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Wilhelma wird scharf: 80 Chili-Sorten bringen den Wintergarten zum Leuchten

Rot, gelb, violett – und teils höllisch scharf: In der Wilhelma in Stuttgart hat die Chili-Ausstellung 2026 begonnen. Rund 80 Sorten und mehrere Wildformen sind im Wintergarten zu sehen. Die Hitze der vergangenen Wochen hat den Pflanzen offenbar sogar gutgetan. Mit dabei sind selten gezeigte Sorten – und jede Menge Wissen darüber, warum Chili eigentlich brennt.

Wilhelma wird scharf: 80 Chili-Sorten bringen den Wintergarten zum Leuchten
Zu den feurigsten Sorten in der Ausstellung gehört die Capsicum chinense „Trinidad Scorpion Butch Taylor
Foto: Wilhelma Stuttgart/Birger Meierjohann

80 Chili-Sorten erobern den Wintergarten

Im Wintergarten der historischen Gewächshauszeile der Wilhelma wird es zum Spätsommer noch einmal richtig bunt – und zumindest gedanklich ziemlich scharf. Seit Ende August 2026 zeigt der Zoologisch-Botanische Garten in Stuttgart rund 80 verschiedene Chilisorten sowie mehrere Wildformen.

Zwischen Bananenstauden und Palmen leuchten die Früchte in Gelb, Orange, Rot, Violett und teilweise fast Schwarz. Manche sind klein und unscheinbar, andere lang, spitz oder auffällig gefaltet.

Damit setzt die Wilhelma ihren botanischen Farbenreigen fort. Bereits im Sommer sorgten mehr als 600 Fuchsienpflanzen in der Wilhelma für ein beeindruckendes Farbenspiel in der historischen Gewächshauszeile.

Die Sommerhitze hat den Chilis gutgetan

Während viele Pflanzen unter den hohen Temperaturen der vergangenen Wochen litten, entwickelten sich die Chilis in der Wilhelma besonders gut.

Wilhelma-Gärtnerin Fenja Baumgärtner erklärt: „Für viele Pflanzen war die Hitze der vergangenen Wochen eine große Beanspruchung. Unseren Chilis haben die hohen Temperaturen aber nicht geschadet – ganz im Gegenteil. Sie sind besonders gut gewachsen.“

In diesem Jahr haben die Gärtnerinnen und Gärtner außerdem einige Pflanzen herangezogen, die schon längere Zeit nicht mehr in der Ausstellung zu sehen waren.

Dazu gehören die Sorte Capsicum annuum Spanish Pepper Yellow und die Wildform Capsicum eximium. Das Saatgut dafür lagerte noch in der Wilhelma.

Von Gemüsepaprika bis extrem scharf

Alle Chilis gehören zur Gattung Capsicum und damit zur Familie der Nachtschattengewächse. Ursprünglich stammen die Pflanzen aus Mittel- und Südamerika.

Nach der Ankunft der Europäer in Amerika gelangten sie zunächst auf die Iberische Halbinsel und verbreiteten sich anschließend in vielen Teilen der Welt. Heute gehören Chilis fest zu zahlreichen Landesküchen.

Ein Großteil der in Stuttgart gezeigten Pflanzen geht auf die Arten Capsicum annuum und Capsicum chinense zurück.

Zu Capsicum annuum gehören neben scharfen Chilis auch viele milde Gemüsepaprika. Capsicum chinense dagegen ist für besonders scharfe Sorten mit häufig fruchtigem Aroma bekannt. Dazu zählen beispielsweise die berühmten Habaneros.

Pflanzen spielen in der Wilhelma schließlich eine ebenso wichtige Rolle wie die Tiere. Wie umfangreich die botanischen Sammlungen sind, zeigt auch die preisgekrönte Kamelien-Sammlung der Wilhelma.

So scharf eine Chili ist, sieht man ihr nicht an

Klein bedeutet nicht automatisch harmlos – und eine wild zerfurchte Frucht muss nicht zwangsläufig extrem scharf sein. Wie stark eine Chili tatsächlich brennt, lässt sich ihrem Aussehen kaum zuverlässig ansehen.

Verantwortlich für die Schärfe ist der Wirkstoff Capsaicin. Er aktiviert bei Säugetieren Rezeptoren, die normalerweise auf Hitze reagieren.

Das Brennen beim Essen einer Chili ist deshalb streng genommen kein klassischer Geschmack. Der Körper nimmt vielmehr einen Hitze- und Schmerzreiz wahr.

Warum Vögel scharfe Chilis problemlos fressen

Was Menschen zum Schwitzen bringen kann, erfüllt für die Pflanze einen wichtigen Zweck. Viele Säugetiere meiden scharfe Früchte wegen des Capsaicins.

Vögel reagieren dagegen anders auf den Stoff und können die Früchte fressen, ohne das für Menschen typische Brennen zu erleben.

Das ist für die Pflanzen praktisch: Die Samen werden von den Vögeln nicht verdaut und später an anderer Stelle wieder ausgeschieden. So können sie über größere Entfernungen verbreitet werden.

Die Schärfe ist damit weit mehr als eine Besonderheit für die Küche. Sie ist Teil einer erstaunlichen Strategie der Pflanzen, ihre Samen erfolgreich zu verbreiten.

Wildformen zeigen die ursprüngliche Chili

Besonders deutlich wird diese Strategie bei den Wildformen. Ihre Früchte sind häufig klein, stehen aufrecht und lassen sich vergleichsweise leicht vom Kelch lösen. Dadurch können Vögel sie gut aufnehmen.

Durch jahrtausendelange Züchtung haben Menschen diese Eigenschaften stark verändert. Viele heutige Kultursorten tragen größere und schwerere Früchte, die fester an den Pflanzen sitzen.

Gleichzeitig entstand eine enorme Bandbreite bei Farbe, Form, Aroma und Schärfe. Genau diese Vielfalt macht die Chili-Ausstellung im Wintergarten sichtbar.

Dieser Chili-Rekord hat es in sich

Um die Schärfe von Chilis einzuordnen, wird häufig die Scoville-Skala verwendet. Milde Gemüsepaprika besitzt praktisch keine Schärfe. Besonders extreme Chilis erreichen dagegen Werte von mehreren Millionen Scoville Heat Units, kurz SHU.

Über Jahre lieferten sich verschiedene Züchtungen einen regelrechten Wettlauf um den Schärferekord. Zu früheren Spitzenreitern gehörten Bhut Jolokia, Trinidad Scorpion Butch T, Naga Viper und Trinidad Moruga Scorpion.

2013 übernahm die Carolina Reaper die Spitzenposition. Seit 2023 hält jedoch Pepper X offiziell den Guinness-Weltrekord als schärfste Chili der Welt. Sie erreicht nach Angaben von Guinness World Records durchschnittlich 2.693.000 Scoville Heat Units.

Zum Vergleich: Eine Jalapeño erreicht nur einige Tausend Scoville. Zwischen einer gewöhnlichen Jalapeño und Pepper X liegen damit Welten.

Chili-Ausstellung zeigt mehr als nur Schärfe

Die Ausstellung in Stuttgart macht deutlich, dass Chili weit mehr ist als eine möglichst scharfe Zutat. Zu sehen ist die Entwicklung von kleinen Wildformen bis zu modernen Züchtungen mit ungewöhnlichen Farben, Formen und Aromen.

Damit verbindet die Schau Pflanzenbiologie, Kulturgeschichte und moderne Züchtung – mitten im historischen Wintergarten der Wilhelma.

Wer den Besuch noch ausweiten möchte, findet im Zoologisch-Botanischen Garten zahlreiche weitere Bereiche. Dazu gehört auch Terra Australis in der Wilhelma. Dort können Besucher unter anderem die faszinierende Tierwelt Australiens entdecken.

Das sollten Besucher der Wilhelma jetzt wissen

Die Chili-Ausstellung befindet sich im Wintergarten der historischen Gewächshauszeile und kann im Rahmen eines regulären Wilhelma-Besuchs angesehen werden.

Im September 2026 ist der Park täglich von 8.15 bis 19.30 Uhr geöffnet. Zu beachten ist allerdings: Die Tier- und Pflanzenhäuser schließen bereits um 18 Uhr. Die jeweils aktuellen Zeiten und mögliche Änderungen veröffentlicht die Wilhelma auf ihrer offiziellen Seite mit den Öffnungszeiten.

Häufige Fragen zur Chili-Ausstellung in der Wilhelma

Wie viele Chili-Sorten zeigt die Wilhelma 2026?

In der diesjährigen Ausstellung sind rund 80 Chilisorten sowie mehrere Wildformen zu sehen.

Wo befindet sich die Chili-Ausstellung?

Die Chili-Ausstellung befindet sich im Wintergarten der historischen Gewächshauszeile der Wilhelma in Stuttgart.

Warum sind Chilis scharf?

Für das Brennen ist Capsaicin verantwortlich. Der Stoff aktiviert bei Säugetieren Rezeptoren, die normalerweise auf Hitze reagieren. Das Schärfegefühl ist deshalb ein Hitze- und Schmerzreiz.

Welche Chili ist die schärfste der Welt?

Pepper X hält seit 2023 den Guinness-Weltrekord. Die Chili erreicht nach Angaben von Guinness World Records durchschnittlich 2.693.000 Scoville Heat Units.

Wann hat die Wilhelma im September 2026 geöffnet?

Der Park ist im September täglich von 8.15 bis 19.30 Uhr geöffnet. Die Tier- und Pflanzenhäuser schließen um 18 Uhr. Besucher sollten die aktuellen Öffnungszeiten vor ihrem Besuch prüfen.

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