Grausame Beweise in Al-Faschir

UN-Ermittler sehen Anzeichen für Völkermord im Sudan

Foto: Fahne vor den Vereinten Nationen (UN) (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Eine UN-Untersuchungskommission hat schockierende Ergebnisse vorgelegt: Die Rapid Support Forces (RSF) sollen im Sudan eine gezielte Vernichtungskampagne gegen nicht-arabische Gemeinschaften geführt haben. Die Beweise deuten auf Völkermord hin, mit Kriegshandlungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Koordinierte Zerstörung in Al-Faschir

Die Zivilbevölkerung in und um Al-Faschir scheint Opfer einer organisierten Kampagne der RSF geworden zu sein. Die Untersuchungskommission der Vereinten Nationen sprach nach Veröffentlichung ihres Berichts am Donnerstag von Merkmalen, die auf Völkermord hindeuten.

„Die von uns gesammelten Beweise – darunter die anhaltende Belagerung, die Aushungerung und die Verweigerung humanitärer Hilfe, gefolgt von Massenmorden, Vergewaltigungen, Folter und Verschleppungen, systematischer Demütigung und den eigenen Aussagen der Täter – lassen nur eine einzige vernünftige Schlussfolgerung zu“, erklärte Mona Rishmawi, Expertin der Untersuchungsmission. „Die RSF handelte mit der Absicht, die Gemeinschaften der Zaghawa und Fur in Al-Faschir ganz oder teilweise zu vernichten. Dies sind die Kennzeichen eines Völkermords.“

Mindestens drei Völkermord-Akte belegt

Der Bericht dokumentierte Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Laut dem Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte wurden mindestens drei grundlegende Akte des Völkermords bewiesen. Dazu zählen die Tötung von Angehörigen einer geschützten ethnischen Gruppe, die Zufügung schwerer körperlicher und seelischer Schäden sowie die vorsätzliche Schaffung von Lebensbedingungen, die auf die vollständige oder teilweise physische Zerstörung der Gruppe abzielen.

Planmäßige Operation statt Zufall

„Der Umfang, die Koordination und die öffentliche Unterstützung der Operation durch die Führungsspitze der RSF zeigen, dass die in und um Al-Faschir begangenen Verbrechen keine zufälligen Kriegsauswüchse waren. Sie waren Teil einer geplanten und organisierten Operation, die die charakteristischen Merkmale eines Völkermords aufweist“, so Mohamed Chande Othman, Vorsitzender der Untersuchungsmission zum Sudan.

Die brutale Eroberung Al-Faschirs folgte auf eine 18-monatige Belagerung, die die Bevölkerung durch Hunger und Entbehrungen schwächte. Tausende Menschen sollen innerhalb weniger Tage verschwunden, getötet oder vergewaltigt worden sein, insbesondere Angehörige der Zaghawa-Gemeinschaft.

Gefahr weiterer Gräueltaten

Die Gefahr weiterer Völkermordhandlungen sei laut der Untersuchungsmission angesichts des fortschreitenden Konflikts und mangelnden Präventionsmaßnahmen „ernst und aktuell“. „Täter auf allen Ebenen der Macht müssen zur Rechenschaft gezogen werden“, betonte Othman. „Wenn Beweise auf Völkermord hindeuten, hat die internationale Gemeinschaft eine erhöhte Verpflichtung, zu verhindern, zu schützen und für Gerechtigkeit zu sorgen.“