RSF-Kampagne gegen Minderheiten in Al-Faschir

UN-Ermittler: Deutliche Anzeichen für Völkermord im Sudan

Foto: Fahne vor den Vereinten Nationen (UN) (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Eine UN-Untersuchungskommission sieht nach einem Bericht deutliche Merkmale von Völkermord in den Handlungen der Rapid Support Forces (RSF) im Sudan. Insbesondere in und um Al-Faschir sollen nicht-arabische Gemeinschaften systematisch angegriffen worden sein.

Koordinierte Zerstörungskampagne

Die Vereinten Nationen decken auf: Die Rapid Support Forces (RSF) sollen eine konzertierte Zerstörungswelle gegen nicht-arabische ethnische Gruppen in und um die sudanesische Stadt Al-Faschir inszeniert haben. Die gesammelten Beweise sprechen eine deutliche Sprache.

„Die von uns gesammelten Beweise – darunter die anhaltende Belagerung, die Aushungerung und die Verweigerung humanitärer Hilfe, gefolgt von Massenmorden, Vergewaltigungen, Folter und Verschleppungen, systematischer Demütigung und den eigenen Aussagen der Täter – lassen nur eine einzige vernünftige Schlussfolgerung zu“, erklärte Mona Rishmawi, eine Expertin der Untersuchungsmission.

„Die RSF handelte mit der Absicht, die Gemeinschaften der Zaghawa und Fur in Al-Faschir ganz oder teilweise zu vernichten. Dies sind die Kennzeichen eines Völkermords.“ Laut UN-Angaben wurden mindestens drei Kernaspekte des Völkermorddelikts nach internationalem Recht belegt: Tötung von Angehörigen einer geschützten ethnischen Gruppe, Zufügung schwerer körperlicher und seelischer Schäden sowie vorsätzliche Schaffung von Lebensbedingungen, die auf die vollständige oder teilweise physische Zerstörung der Gruppe abzielen.

Geplante Operation, kein Zufall

Mohamed Chande Othman, Vorsitzender der Untersuchungsmission zum Sudan, betonte die geplante Natur der Gräueltaten: „Der Umfang, die Koordination und die öffentliche Unterstützung der Operation durch die Führungsspitze der RSF zeigen, dass die in und um Al-Faschir begangenen Verbrechen keine zufälligen Kriegsauswüchse waren. Sie waren Teil einer geplanten und organisierten Operation, die die charakteristischen Merkmale eines Völkermords aufweist.“

Nach einer 18-monatigen Belagerung, die die Bevölkerung durch Aushungern und Entbehrungen schwächte, folgte die brutale Eroberung von Al-Faschir. Tausende Menschen, vor allem Zaghawa, verschwanden oder wurden getötet und vergewaltigt.

Dringender Schutzbedarf

Joy Ngozi Ezeilo, ebenfalls Expertin der Untersuchungsmission, warnte eindringlich vor weiteren Gräueltaten, da sich der Konflikt ausweite. Der Schutz der Zivilbevölkerung sei dringender denn je. Ohne wirksame Präventionsmaßnahmen und Rechenschaftspflicht drohe eine weitere Eskalation.

„Täter auf allen Ebenen der Macht müssen zur Rechenschaft gezogen werden“, forderte Othman abschließend. „Wenn Beweise auf Völkermord hindeuten, hat die internationale Gemeinschaft eine erhöhte Verpflichtung, zu verhindern, zu schützen und für Gerechtigkeit zu sorgen.“