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Neue Sonderausstellung im Landesmuseum

Stuttgart zeigt 10.000 Jahre Männerschmuck – von Goldringen bis Tattoos

Stuttgart – Mehr als 250 Originalexponate führen im Landesmuseum Württemberg durch rund 10.000 Jahre Männerschmuck. Die neue Sonderausstellung verbindet Gold, Ringe und Uhren mit Tattoos, Machtzeichen und dem Wandel von Männerbildern.

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Goldener frühkeltischer Hals- und Armreif in der Ausstellung Zier und Zeichen
Goldener Hals- und Armreif aus einem frühkeltischen Grab in Dußlingen, 6. Jahrhundert v. Chr.
Foto: Landesmuseum Württemberg, H. Zwietasch (CC BY 4.0)

Gold, Edelsteine und königliche Insignien gehören ebenso dazu wie Tattoos, Perlenketten und ein Gürtel aus der süddeutschen Hip-Hop-Szene. Die Sonderausstellung „Zier & Zeichen: Was Männer schmückt“ im Alten Schloss in Stuttgart spannt einen weiten Bogen: von frühen Schmuckformen bis zu heutigen Debatten über Identität, Status und Geschlechterrollen.

Mehr als 250 Exponate erzählen nicht nur von Luxus

Auf 650 Quadratmetern zeigt das Landesmuseum mehr als 250 Originalexponate. Darunter sind Schmuckstücke, archäologische Funde, Gemälde, Skulpturen, Prunkwaffen, Kleidungsstücke und Alltagsgegenstände. Das Konzept ordnet sie nicht einfach nach Epochen, sondern in zehn thematische Bereiche ein. So wird sichtbar, wie Schmuck Zugehörigkeit ausdrücken, Rang markieren oder gesellschaftliche Regeln infrage stellen kann.

Der historische Rahmen beginnt bereits bei frühen Formen der Körperzier. Muscheln, Tierzähne und Anhänger konnten soziale oder spirituelle Bedeutung tragen. Später wurden Goldschmuck, kostbare Gürtelteile und Waffen zu Zeichen von Macht. Die Ausstellung stellt diesen Objekten zeitgenössische Positionen gegenüber. Dadurch geht es weniger um eine lückenlose Stilgeschichte als um die Frage, was Männer mit ihrem Aussehen mitteilen wollten – und wer festlegte, was als männlich galt.

Krone, Siegelring und Tattoo erfüllen unterschiedliche Funktionen

Ein Schwerpunkt liegt auf der Verbindung von Schmuck und Macht. Kronen, Amtsketten, Siegelringe und Prunkwaffen machten Autorität sichtbar. Andere Objekte hatten einen praktischen Ausgangspunkt: Verschlüsse, Knöpfe, Gürtel oder Uhren entwickelten sich zugleich zu persönlichen Statuszeichen.

Auch der Körper selbst wird Teil der Erzählung. Tattoos, Piercings, Frisuren und trainierte Muskeln erscheinen als Formen der Inszenierung, die sich mit gesellschaftlichen Normen verändern. Im 19. Jahrhundert setzte sich in bürgerlichen Milieus ein zurückhaltenderes Männerideal durch; auffälliger Schmuck verlor dort an Akzeptanz. Popkultur und Subkulturen öffneten im 20. Jahrhundert wieder neue Spielräume.

Regionale Bezüge bleiben dabei sichtbar. Zu den Beispielen gehören frühkeltischer Goldschmuck aus Dußlingen, ein Gürtel aus der Pforzheimer Hip-Hop-Szene und Arbeiten von Studierenden der Hochschule Pforzheim. Leihgaben des Linden-Museums erweitern den Blick über Europa hinaus. Wer sich für weitere Stuttgarter Kulturgeschichte interessiert, findet parallel im Linden-Museum die Ausstellung „Zombies – die Ursprünge“ mit Schwerpunkt Haiti.

App und barrierearme Angebote ergänzen den Rundgang

Die kostenlose LMW-App bietet Touren auf Deutsch und Englisch, in Einfacher Sprache sowie in Deutscher Gebärdensprache. Für Menschen mit Hörbeeinträchtigung steht damit ein eigener Zugang zur Ausstellung bereit. Ein Bodenleitsystem gibt es nach Museumsangaben allerdings nicht; seheingeschränkten Besucherinnen und Besuchern wird deshalb eine Begleitperson empfohlen. Hinweise zu Sinnesreizen stellt das Museum zusätzlich in einem Raumplan zusammen.

Diese Angaben sind für die Besuchsplanung wichtiger als ein pauschales Versprechen von Barrierefreiheit. Wer bestimmte Unterstützung benötigt, sollte die Detailinformationen des Museums vorab prüfen.

Öffnungszeiten und Preise im Alten Schloss

„Zier & Zeichen: Was Männer schmückt“ läuft bis 25. April 2027 im Landesmuseum Württemberg, Altes Schloss, Schillerplatz 6 in Stuttgart. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Montags bleibt das Museum geschlossen, außer an Feiertagen.

Erwachsene zahlen 11 Euro, ermäßigt 9 Euro. Für Kinder und Jugendliche von 6 bis 17 Jahren kostet der Eintritt 5 Euro; Gruppen ab zehn Personen zahlen 9 Euro pro Person. Tickets sind online erhältlich. Das Museum bietet außerdem öffentliche Termine und Sonderführungen für angemeldete Gruppen an.

Die lange Laufzeit macht einen spontanen Besuch möglich. Für die Entscheidung zwischen kurzem Rundgang und vertieftem Einstieg ist die App der wichtigste Zusatz: Sie bündelt die unterschiedlichen Zugänge, ohne die Ausstellung auf Schmuck als bloße Dekoration zu reduzieren.

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