Der Titel klingt nach Kino, Games und Untoten. Die neue Sonderausstellung im Linden-Museum setzt jedoch früher an: Sie fragt, wie der Begriff „zombi“ in Haiti verstanden wurde, bevor Popkultur daraus eine globale Horrorfigur machte. Damit verschiebt sich der Blick vom Gruseleffekt auf Religion, koloniale Geschichte, soziale Macht und die Erfahrung von Fremdbestimmung.
Die Schau setzt vor dem Horrorfilm an
Das Museum beschreibt den haitianischen „zombi“ nicht als bloßes Monster. In der Ausstellung steht vielmehr ein kulturell und religiös geprägter Begriff im Zentrum, der mit dem Vodou verbunden ist. Die gezeigten Perspektiven sollen nachvollziehbar machen, wie west- und zentralafrikanische Religionen, vorspanische Vorstellungen und katholische Einflüsse während des Kolonialismus zusammenwirkten.
Dabei behandelt die Schau auch eine schwierige Frage: Welche gesellschaftlichen Wirklichkeiten stecken hinter Erzählungen über Menschen, die ihrer Selbstbestimmung beraubt und zur Arbeit gezwungen werden? Nach Darstellung des Museums reichen die Bezüge von religiösen Vorstellungen und Rechtsprechung bis zu Versklavung, Angst und sozialer Kontrolle. Die Ausstellung präsentiert diese Deutungen als historische und kulturelle Perspektiven – nicht als Beleg für übernatürliche Phänomene.
Haiti steht im Mittelpunkt – nicht das Filmklischee
Der in Filmen, Serien, Comics und Spielen bekannte Zombie bildet deshalb eher den Ausgangspunkt als das Ziel. Besucherinnen und Besucher sollen erkennen können, wie sich eine haitianische Vorstellung durch Übersetzungen, koloniale Zuschreibungen und Popkultur verändert hat. Die Leitfrage lautet nicht nur, woher das Bild des Untoten kommt, sondern auch, was seine jeweiligen Varianten über Gesellschaften und ihre Ängste erzählen.
Konzipiert wurde die Ausstellung vom Musée du quai Branly – Jacques Chirac in Paris; Partner ist das Musée des Confluences in Lyon. Für Stuttgart hat das Linden-Museum die Schau in sein Programm übernommen. Kuratorin ist Dr. Fiona Siegenthaler.
Eröffnung am Freitag, Ausstellungsstart am Samstag
Die Eröffnung findet am Freitag, 23. Oktober 2026, um 18 Uhr im Linden-Museum am Hegelplatz 1 in Stuttgart statt. Der Eintritt zur Eröffnung ist frei. Museumsdirektorin Prof. Dr. Inés de Castro führt in die Ausstellung ein; ein Grußwort kommt von Staatssekretärin Neşe Erikli. Mondo Sangue begleitet den Abend künstlerisch.
Ab Samstag, 24. Oktober, kostet der reguläre Eintritt 14 Euro, ermäßigt 12 Euro. Eine Familienkarte kostet 28 Euro; Kinder bis zwölf Jahre haben freien Eintritt. Geöffnet ist dienstags bis samstags von 10 bis 17 Uhr sowie sonn- und feiertags von 10 bis 18 Uhr. Für die Sonderausstellung kommt donnerstags eine verlängerte Öffnung bis 20 Uhr hinzu. Das Museum hat keine eigenen Parkplätze; erreichbar ist es unter anderem mit den Buslinien 40, 42 und 43 über die Haltestelle Linden-Museum.
Führungen geben zusätzliche Orientierung
Öffentliche Führungen sind donnerstags von 18 bis 19 Uhr, samstags von 15 bis 16 Uhr sowie sonntags von 11 bis 12 Uhr und von 14.30 bis 15.30 Uhr vorgesehen. Eine Anmeldung ist laut Museum nicht nötig. Die Führung kostet 5 Euro zusätzlich zum Ausstellungseintritt.
Der erste reguläre Ausstellungstag ist damit Samstag, 24. Oktober. Wer den thematischen Einstieg mit Führung bevorzugt, hat am Sonntag, 25. Oktober, um 11 Uhr und um 14.30 Uhr die nächsten angekündigten Termine.



