Am MAHLE-Produktionsstandort in Vaihingen an der Enz ist nach Unternehmensangaben Deutschlands bislang größte Photovoltaik-Thermie-Anlage in Betrieb gegangen. PVT-Module erzeugen nicht nur Solarstrom. Wärmeübertrager auf ihrer Rückseite nehmen zugleich Wärme auf, die für das Heizsystem des Werks genutzt wird.
Mehr als 1.000 Module liefern Strom und Wärme
Die Anlage umfasst mehr als 1.000 Hybridmodule auf einer Fläche von knapp 2.000 Quadratmetern. Rund 780 Module liegen auf dem Dach des Hauptgebäudes; weitere Module ergänzen das System auf anderen Flächen des Standorts.
MAHLE nennt eine elektrische Leistung von mehr als 430 Kilowatt-Peak. Pro Jahr sollen außerdem etwa 1,2 Gigawattstunden Wärme bereitstehen. Zum Vergleich ordnete das Unternehmen diese Wärmemenge bereits während des Baus als rechnerischen Jahresbedarf von ungefähr 100 Einfamilienhäusern ein. Das ist eine Vergleichsgröße, keine Aussage darüber, dass das Werk tatsächlich Wohnhäuser versorgt.
60 Erdsonden speichern Sommerwärme für den Winter
Das technische Konzept geht über eine große Solaranlage hinaus. Nach Angaben der Deutschen Energie-Agentur speichern 60 Erdsonden die im Sommer gewonnene Wärme saisonal im Boden. Sole-Wasser-Wärmepumpen mit zusammen 500 Kilowatt Leistung heben das Temperaturniveau anschließend auf bis zu 55 Grad an, damit die Produktionshallen beheizt werden können.
Die dena beziffert die erwartete Senkung des Erdgasbedarfs auf mehr als 90 Prozent. Vollständig gasfrei ist der Standort damit nicht: Für besonders hohe Lasten im Winter bleibt ein vorhandener Brennwertkessel als Reserve erhalten. Die von MAHLE verwendete Formulierung einer weitgehenden Unabhängigkeit von Erdgas beschreibt deshalb den Regelbetrieb, nicht jede denkbare Betriebssituation.
2,4 Millionen Euro Investition und 426.000 Euro Förderung
Für das Projekt nennt die dena eine Investitionssumme von 2,4 Millionen Euro. Davon entfallen 426.000 Euro auf Förderung aus der Bundesförderung für effiziente Gebäude. Die angegebene Amortisationszeit liegt bei mehr als acht Jahren.
MAHLE ist zugleich strategischer Investor und Entwicklungspartner des Modulherstellers Sunmaxx. Das Projekt ist damit nicht nur ein Energievorhaben am eigenen Werk, sondern auch eine Referenz für die Technik eines verbundenen Unternehmens. Nach den Projektangaben soll das Konzept grundsätzlich auf weitere der weltweit mehr als 100 MAHLE-Werke übertragbar sein. Ob und an welchen Standorten das tatsächlich geschieht, ist noch offen.
Die Inbetriebnahme folgt später als zunächst geplant
Als MAHLE den Bau im Januar 2025 ankündigte, war der Start zunächst für Juli 2025 vorgesehen. Spätere Projektangaben nannten Dezember 2025 als Termin für die offizielle Inbetriebnahme. Die nun am 29. Oktober 2026 veröffentlichte Vollzugsmeldung liegt deutlich danach; Gründe für den veränderten Zeitplan nennt das Unternehmen nicht.
Für Baden-Württemberg ist das Projekt vor allem als industrielle Anwendung interessant: Es kombiniert Stromerzeugung, Wärmerückgewinnung, saisonale Speicherung und Wärmepumpen an einem laufenden Produktionsstandort. Einen anderen Ansatz für klimafreundliche Industrieenergie verfolgt die Wasserstoff-Forschungsplattform WAVE-H2 in Freudenstadt. In Vaihingen ist die Technik dagegen nicht mehr im Versuch, sondern Teil der Energieversorgung des Werks.



