Bauarbeiten stocken
Die Erwartungen sind gedämpft: Die Strecke zwischen Hamburg und Berlin wird deutlich später für den Zugverkehr freigegeben als gedacht. Wochenlanger Schnee und eisige Temperaturen in Norddeutschland haben den Baufortschritt derart beeinträchtigt, dass die Deutsche Bahn nun die Reißleine zieht.
Schuld sind die besonders harten Winterbedingungen. „Wir haben es mit dem stärksten Wintereinbruch seit mehr als 15 Jahren zu tun“, erklärte Gerd-Dietrich Bolte, Vorstand von InfraGO. Das ehrgeizige Ziel, die Strecke bis zum 30. April wieder vollständig in Betrieb zu nehmen, sei „nicht mehr wie geplant zu schaffen“.
Gefrorene Kabel und tiefer Bodenfrost
Frierende Kabelkanäle und vereiste Leitungen machen die Verlegung von wichtiger Signal- und Stellwerkstechnik unmöglich. Auf einigen Abschnitten reicht der Bodenfrost bis zu 70 Zentimeter tief – das macht Arbeiten an der Oberleitung, Weichenantrieben und Signalanlagen komplett unmöglich. Seit Wochen ruhen hier die Arbeiten wetterbedingt.
Sobald sich der Boden wieder aufgetaut hat, müssen die verschobenen Arbeiten neu getaktet werden. Die Bahn plant, das Personal auf der Baustelle deutlich aufzustocken, sobald die Temperaturen es zulassen. Bis Mitte März soll ein neues Konzept für die Inbetriebnahme vorliegen. Ziel sei eine für Zugreisende und Güterverkehrsunternehmen tragbare Lösung.
Konflikt mit Hannover-Strecke
Die Sorge ist groß: Mit den für Mai geplanten umfangreichen Sanierungsarbeiten auf der Strecke Hamburg-Hannover könnte es zu massiven Konflikten kommen. „Diese Maßnahmen müssten bei einer Anpassung des Zeitplans für die Inbetriebnahme der Strecke Hamburg-Berlin neu eingetaktet werden, damit die Umleitungskonzepte für den Fern- und Güterverkehr zwischen den beiden größten deutschen Metropolen weiterhin funktionieren“, so die Bahn.

