Schnellladesäule

Pilotversuch in Pforzheim: Polizei testet „Lade-Turbo“ für die Autobahn

Pilotversuch in Pforzheim: Polizei testet „Lade-Turbo“ für die Autobahn
Foto: Steffen Schmid

Die Flotte der baden-württembergischen Polizei wird zunehmend elektrisch, doch die Infrastruktur hinkt oft hinterher. In Pforzheim startet nun ein Testlauf, der dieses Problem lösen soll: Eine Schnellladesäule mit eingebautem Puffer.

Wer mit dem Streifenwagen auf der Autobahn unterwegs ist, hat keine Zeit für stundenlange Ladestopps. Das war bisher eines der Hauptargumente gegen den massiven Einsatz von E-Autos im schweren Dienst. Die Verkehrspolizeiinspektion Pforzheim soll nun zeigen, dass es schneller geht. Innenminister Thomas Strobl (CDU) gab am Montag den Startschuss für einen Pilotversuch, der technisch neue Wege geht.

Strom aus der Batterie statt nur aus der Dose

Das Problem an vielen Standorten ist nicht das Auto, sondern das Stromnetz. Ein herkömmlicher Netzanschluss liefert oft nicht genug Power für echtes Schnellladen. Hier setzt das System „ChargePost“ der heimischen Firma ads-tec Energy an: Die Säule verfügt über einen integrierten Batteriespeicher von 201 Kilowattstunden.

Dieser Puffer füllt sich konstant aus dem normalen Netz und gibt die Energie bei Bedarf gebündelt ab. Mit einer Leistung von bis zu 300 kW sollen die Dienstwagen innerhalb von maximal 30 Minuten wieder einsatzbereit sein. An der Säule können zwei Fahrzeuge gleichzeitig laden.

Audi und BMW im Härtetest auf der A8

Für den zweijährigen Test hat das Innenministerium zwei prominente Neuzugänge in den Fuhrpark aufgenommen: Einen Audi Q6 e-tron und einen BMW i5 Touring. Beide bringen es auf eine theoretische Reichweite von rund 550 Kilometern. Ob diese Werte im harten Polizeialltag zwischen Blaulichteinsätzen und Streifenfahrten auf der A8 Bestand haben, wird wissenschaftlich genau beobachtet.

Die Fahrzeuge sind mit sogenannten Datenloggern ausgestattet. Diese zeichnen permanent Leistungsdaten und Reichweiten unter realen Bedingungen auf. Die Fraunhofer-Gesellschaft begleitet den Versuch und wertet die Daten aus, um zu klären, ob die E-Mobilität auf der Autobahn tatsächlich flächendeckend zukunftstauglich ist.

Strategischer Ausbau der E-Flotte

„Wir investieren in modernste Polizeitechnik und haben den Mut, Neues auszuprobieren“, betonte Strobl in Pforzheim. Der Weg ist allerdings noch weit: Von den rund 5.400 Fahrzeugen der Landespolizei fahren aktuell etwa 630 elektrisch – das entspricht einer Quote von zwölf Prozent.

Der Pilotversuch in Pforzheim gilt als entscheidender Baustein für die weitere Strategie. Bewährt sich die Technik, könnten batteriegepufferte Säulen zur Standardlösung für Reviere werden, an denen ein teurer Ausbau des Stromnetzes bisher zu langwierig oder zu kostspielig gewesen wäre.