WAVE-H2 startet in Freudenstadt im Industriemaßstab
In Freudenstadt ist die neue Industrieforschungsplattform WAVE-H2 der Universität Stuttgart eröffnet worden. Unternehmen und Forschungsteams können dort Energie- und Wasserstofftechnologien unter realitätsnahen Bedingungen entwickeln, in bestehende Systeme integrieren und im industriellen Maßstab erproben.
Der Standort ergänzt die bereits im Januar 2026 eröffneten Innovationsmodule auf dem Campus Stuttgart-Vaihingen. Während dort vor allem Versuche im Labormaßstab möglich sind, ist Freudenstadt für größere, praxisnahe Tests ausgelegt. Die Universität Stuttgart beschreibt WAVE-H2 als Forschungs- und Transferinfrastruktur, die Wissenschaft und industrielle Anwendung enger verbinden soll.
Von der Erzeugung bis zur Nutzung von Wasserstoff
WAVE-H2 deckt nach Angaben der Universität die gesamte Wasserstoffwertschöpfungskette ab. Dazu gehören die Erzeugung von Wasserstoff, Power-to-X-Verfahren, chemische Speichertechnologien, Brennstoffzellen sowie Konzepte für eine dezentrale Nutzung.
Auf der Plattform in Freudenstadt liegt der Schwerpunkt darauf, einzelne Komponenten nicht isoliert zu betrachten, sondern ihr Zusammenspiel in kompletten Energiesystemen zu untersuchen. Getestet werden können unter anderem Erzeugung, Umwandlung, Speicherung und Nutzung von Energie sowie die Einbindung unterschiedlicher industrieller Verbraucher.
Auf dem Gelände befinden sich auch Wasserstofftanks. Nach Angaben der Universität können dort insgesamt 470 Kilogramm Wasserstoff gespeichert werden. Die Infrastruktur soll es ermöglichen, Anlagen und Betriebsstrategien unter Bedingungen zu untersuchen, die näher an realen Produktionsprozessen liegen als reine Laborversuche.
Warum der Standort für Unternehmen interessant ist
Das Angebot richtet sich insbesondere an Unternehmen, die Anlagen, Komponenten oder Software für industrielle Energiesysteme entwickeln. Sie sollen neue Technik in Freudenstadt erproben können, bevor sie in reguläre Produktionsumgebungen übernommen wird.
Dabei geht es nicht nur um einzelne Elektrolyseure oder Brennstoffzellen. WAVE-H2 verbindet Komponenten mit digitalisierten Produktionssystemen und untersucht, wie Energieflüsse flexibel gesteuert werden können. Auf der offiziellen Projektseite von WAVE-H2 werden unter anderem Tests vernetzter Energiesysteme, digitale Zwillinge und datenbasierte Betriebsstrategien als Arbeitsfelder genannt.
Ein möglicher Anwendungsbereich sind Industrieprozesse mit hohen Temperaturen, bei denen eine direkte Elektrifizierung technisch nur eingeschränkt möglich ist. Wasserstoff kann dort grundsätzlich als Alternative zu fossilen Brennstoffen untersucht werden. Ob sich eine konkrete Anwendung technisch, wirtschaftlich und hinsichtlich der Emissionen eignet, hängt jedoch vom jeweiligen Verfahren und von der Herkunft des eingesetzten Wasserstoffs ab.
36 Millionen Euro Förderung für zwei Standorte
Der Aufbau von WAVE-H2 wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt mit rund 36 Millionen Euro gefördert. Die Projektlaufzeit reicht laut Universität vom 1. August 2021 bis zum 31. März 2027.
Entwickelt und aufgebaut wurde die Plattform von den Instituten für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) und für Photovoltaik (ipv) der Universität Stuttgart. Beide betreiben die Infrastruktur an den Standorten Stuttgart-Vaihingen und Freudenstadt.
Damit erhält Baden-Württemberg eine Forschungsumgebung, in der der Übergang vom Laborversuch zu größeren industriellen Tests innerhalb eines gemeinsamen Projekts untersucht werden kann. Entscheidend für den praktischen Nutzen wird sein, welche Technologien Unternehmen und Forschungseinrichtungen auf der Plattform erproben und welche Ergebnisse sich anschließend auf reale Produktionsstandorte übertragen lassen.
Freudenstadt übernimmt die praktische Erprobung
Die Rollen der beiden Standorte sind bewusst unterschiedlich angelegt. In Stuttgart-Vaihingen werden unter anderem Elektrolyse, Power-to-X-Verfahren und Brennstoffzellentechnik im Labormaßstab erforscht. Freudenstadt ist dagegen auf die praktische Erprobung von Komponenten und Gesamtsystemen in größerer Dimension ausgerichtet.
Mit der Eröffnung im September 2026 ist damit nun auch der zweite WAVE-H2-Standort in Betrieb. Die Plattform soll künftig sowohl für wissenschaftliche Versuche als auch für Entwicklungsprojekte mit Unternehmen genutzt werden.





