Agrarsektor erhält mehr Sicherheit

EU-Parlament stärkt heimische Bauern: „Schutzschilde“ gegen Mercosur-Importe

Foto: Hafen von Rio de Janeiro (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Brüssel schützt die heimische Landwirtschaft: Das EU-Parlament hat grünes Licht für zusätzliche Schutzmaßnahmen gegeben, die Landwirte im Falle starker Importsteigerungen aus den Mercosur-Staaten schützen sollen. Ziel ist es, den EU-Erzeugern mögliche Schäden durch das Handelsabkommen zu ersparen. Die neuen Regeln legen klare Kriterien für die Aussetzung von Zollpräferenzen fest und sollen im Extremfall schnelles Eingreifen ermöglichen.

Mehr als nur ein Handelsdeal

Das Europäische Parlament hat am Dienstag mit deutlicher Mehrheit (483 Ja-Stimmen) neue Schutzmechanismen für den heimischen Agrarsektor durchgewunken. Diese sollen im Zuge des umstrittenen Handelsabkommens mit den Mercosur-Staaten (Brasilien, Argentinien, Paraguay, Uruguay) greifen. Bislang gab es dafür nur informelle Absprachen mit den EU-Mitgliedern.

Die Abstimmung fiel eindeutig aus: Mit 102 Neinstimmen und 67 Enthaltungen wurde die Verordnung beschlossen. Sie gibt vor, wann die EU die versprochenen Zollvorteile für Agrarimporte aus Südamerika stoppen kann. Entscheidend ist, ob diese Importe den Erzeugern in der Europäischen Union wirtschaftlich zusetzt.

Klare Kriterien für den Ernstfall

Konkret wird eine schärfere Untersuchung eingeleitet, wenn die Einfuhren von sensiblen landwirtschaftlichen Produkten im Schnitt der vergangenen drei Jahre um fünf Prozent ansteigen. Gleichzeitig müssen die Importpreise mindestens fünf Prozent unter den heimischen Preisen liegen. Das sind messbare Schwellenwerte, die eine Gefahr signalisieren.

Gabriel Mato (EVP), der Berichterstatter für Mercosur im Parlament, bezeichnete die Schutzklauseln als „ausgewogenen und glaubwürdigen Schutzmechanismus“. „Sie stärken die Marktüberwachung“, so Mato, „führen klare und objektive Kriterien zur Erkennung von Marktstörungen ein und ermöglichen ein schnelleres Handeln bei sensiblen Erzeugnissen, wenn Anzeichen für Schäden vorliegen.“ Konkret heißt das: Die EU kann im Krisenfall schneller reagieren, um die heimische Landwirtschaft zu schützen.