Deutschland als Anker der Berechenbarkeit
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Im vergangenen Jahr hat Deutschland erstmals seit 2003 mehr Kapital angezogen, als es abfließen ließ. Die Bilanz schloss mit einem Plus von satten zehn Milliarden Euro ab. Zum Vergleich: 2019 lag das Defizit noch bei 85 Milliarden Euro.
US-Investoren entdecken Deutschland neu
Das ist eine beachtliche Wende. Forscher des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sehen darin ein Zeichen, dass Deutschland trotz aller bekannten Probleme wie Überbürokratisierung und Rechtsunsicherheit für ausländische Unternehmen attraktiv bleibt. „In einer immer unsichereren Welt wird langweilige Berechenbarkeit offenbar sexy“, kommentiert IW-Forscher Jürgen Matthes die Entwicklung.
Besonders erfreulich: Die Direktinvestitionen erreichten im Vorjahr 96 Milliarden Euro und lagen damit deutlich über dem Durchschnitt seit der Jahrtausendwende. Banker bestätigen diese Entwicklung. Michael Kotzbauer, Firmenkundenvorstand der Commerzbank, spricht von einem „enormen Interesse“ von US-Investoren an deutschen Unternehmen, das im letzten Jahr noch weiter zunahm.
Als treibende Kraft nennen Banker die Suche nach Risikostreuung. Angesichts der unberechenbaren Politik der US-Regierung unter Donald Trump suchen Investoren nach sicheren Häfen, um ihr Portfolio zu diversifizieren. „Wenn es gelingt, die Infrastruktur-Investitionen zu realisieren und dann auch noch Reformen in Deutschland umzusetzen, könnte das Auslandsinvestitionen einen Schub verleihen“, gibt sich Claudio de Sanctis, Privatkundenvorstand der Deutschen Bank, optimistisch.
