Drei Monate länger auf erster Stelle

Berufseinsteiger bei Jobsuche im Nachteil

Berufseinsteiger bei Jobsuche im Nachteil
Foto: Junge Leute mit Laptop (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Junge Menschen in Deutschland finden trotz Fachkräftemangels immer schwerer ihren ersten Job. Mehr als jeder Fünfte wartete im vergangenen Jahr über ein halbes Jahr auf den Karrierestart. Die Dauer der Arbeitslosigkeit nach der Ausbildung ist deutlich gestiegen. Grünen-Politikerin kritisiert die Bundesregierung für mangelnde Datengrundlage zur KI-Transformation.

Längere Suche frisst Zeit

Die Bundesregierung bestätigt eine besorgniserregende Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt: Berufseinsteiger in Deutschland brauchen immer länger, um ihre erste Stelle zu finden. Trotz des verbreiteten Fachkräftemangels zieht sich die Jobsuche für viele junge Talente. Im vergangenen Jahr musste mehr als ein Fünftel der Absolventen nach ihrer Ausbildung länger als sechs Monate auf den Antritt ihres ersten Jobs warten.

Besonders bei den Akademikern ist die Situation alarmierend: 23 Prozent von ihnen benötigten über ein halbes Jahr, um erfolgreich ins Berufsleben einzusteigen. Diese Zahlen gehen aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Grünen hervor, über die das Handelsblatt berichtet.

Einbruch seit 2018

Der Trend ist eindeutig: Lag 2018 noch etwa jedem Vierten der Einstieg in die Berufswelt innerhalb eines Monats, schafft dies nun nur noch jeder Fünfte. Die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung ist seit 2019 um fast drei Wochen auf mittlerweile 134 Tage gestiegen – das sind annähernd viereinhalb Monate, in denen jungen Menschen der Sprung in die volle Erwerbstätigkeit verwehrt bleibt.

Kritik an der Regierung

„Die Bundesregierung bestätigt damit, dass der Berufseinstieg für viele junge Menschen zunehmend länger und schwerer wird“, kommentierte die grüne arbeitsmarktpolitische Sprecherin Sylvia Rietenberg die Ergebnisse gegenüber dem Handelsblatt. Besonders die mangelnde Transparenz bezüglich der Auswirkungen von Wirtschafts- und KI-Transformationen auf den Arbeitsmarkt stößt den Grünen sauer auf. „KI verändert den Arbeitsmarkt rasant, doch die Bundesregierung weiß nicht einmal, wie viele Einstiegsstellen bereits weggefallen oder umgebaut worden sind“, kritisiert Rietenberg und fordert ein Umdenken: „Wer junge Menschen ernst nimmt, muss diesen Wandel aktiv gestalten, dafür braucht es als Erstes ein genaueres Bild der Lage.“