Ostdeutschland geht andere Wege
Im bundesweiten Vergleich zeigt sich ein deutlich anderes Bild: Deutschlandweit kamen 32,4 Prozent aller Kinder außerhalb der Ehe zur Welt. In ostdeutschen Bundesländern liegt dieser Anteil deutlich höher, mit Spitzenwerten von 55,9 Prozent in Sachsen-Anhalt und 55,6 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern.
Ein Blick zurück: Von Tradition zu Vielfalt
Ein Blick in die Vergangenheit verdeutlicht den gesellschaftlichen Wandel: 1990 lag der Anteil nichtehelich geborener Kinder in Baden-Württemberg noch bei lediglich 8,7 Prozent. Bis 2002 verdoppelte sich dieser Wert nahezu, auf 17,6 Prozent, und stieg bis 2016 auf 25,7 Prozent. Seitdem bleibt der Anteil relativ stabil.
Frauen gestalten ihr Leben selbstbewusster
Hintergründe für diese Entwicklung sieht das Statistische Landesamt unter anderem in einem veränderten Rollenverständnis und einer höheren Erwerbsbeteiligung von Frauen. Waren 1980 noch 75 Prozent der 30- bis unter 35-Jährigen verheiratet, sind es heute nur noch 44 Prozent. Die wirtschaftliche Unabhängigkeit und Bildungsniveaus haben die Entscheidung für alternative Lebensformen gestärkt.
Freiburg ganz vorne, Böblingen traditionell
Innerhalb Baden-Württembergs bestehen regionale Unterschiede: In Freiburg im Breisgau waren 2024 mehr als ein Drittel der Eltern bei Geburt ihres Kindes nicht verheiratet – der höchste Wert im Land. Im Landkreis Böblingen lag der Anteil dagegen bei nur 18 Prozent. Allerdings haben sich die regionalen Disparitäten gegenüber 1990 deutlich verringert. Damals war der Anteil in Freiburg fast viermal so hoch wie in Böblingen.
Stadt und Land rücken näher zusammen
Diese Annäherung wird vom Landesamt als Ausdruck einer Angleichung der Lebensstile zwischen Stadt und Land gewertet. Trotz des Rückgangs traditioneller Muster bleibt Baden-Württemberg mit seinem vergleichsweise niedrigen Anteil nichtehelicher Geburten ein Sonderfall im Bundesvergleich.
