Fahimi: Arbeitgeber tragen Mitschuld an Krise

DGB-Chefin warnt vor „massiven Angriffen“ auf Sozialstaat

DGB-Chefin warnt vor „massiven Angriffen“ auf Sozialstaat
Foto: Yasmin Fahimi (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi sieht den deutschen Sozialstaat unter massivem Beschuss. Sie wirft Arbeitgebern vor, auf eine "Giftliste des Sozialabbaus" zu setzen. Weniger Lohnfortzahlung, gekürzte Renten und Einschränkungen bei Streik- und Teilzeitrechten seien die Forderungen. Fahimi kritisiert zudem, dass Forderungen nach mehr Billigarbeit die exportabhängige Wirtschaft nicht retten würden. Im Gegenteil: "Solche massiven Angriffe auf den Sozialstaat in dieser Breite habe ich noch nicht erlebt", sagte sie dem Handelsblatt.

Arbeitgeber unter Druck

Die Kritik von DGB-Chefin Yasmin Fahimi richtet sich scharf gegen die Arbeitgeberseite. Sie spricht von einer regelrechten „Giftliste des Sozialabbaus“, die von angehäuften Erfolgen zeuge, aber die Zukunft vernachlässige. Die Gewerkschaftschefin bemängelt, dass Unternehmer angesichts internationaler Herausforderungen wie der US-Zollpolitik und chinesischer Subventionen primär auf mehr und billigere Arbeit pochen würden. Eine solche Strategie, so Fahimi, würde die deutsche Exportwirtschaft eher weiter schwächen, anstatt sie zu stärken. Sie plädiert stattdessen für eine Stärkung des europäischen Binnenmarktes und der Infrastruktur. Für die EU schlägt Fahimi sogar Importquoten vor, insbesondere für die Stahlindustrie.

Konflikte in den Betrieben

Die Spannungen beschränken sich laut Fahimi nicht nur auf die politische Ebene. Auch im Kleinen, in den Betrieben, sei die Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, den Sozialpartnern, stark belastet. Sie berichtet, dass jede fünfte Betriebsratsgründung aktiv behindert oder gar verhindert werde, teils unter Einsatz immenser Budgets für Rechtsberatung. Hinzu kämen eine zunehmende Tarifflucht und wachsenden Mitgliederzahlen in Arbeitgeberverbänden, die keine Tarifverträge abschließen. Als besonders besorgniserregend bezeichnet Fahimi, dass der neue Präsident der Metallarbeitgeber, Udo Dinglreiter, selbst keinem Tarifvertrag angehöre – ein Novum in der Verbandsgeschichte.