Gegenmaßnahmen statt Abschottung
Die Bedeutung des chinesischen Marktes für die deutsche Automobilindustrie bröckelt. Jüngste Rückgänge beim Absatz werden auf stark subventionierte lokale E-Auto-Marken und eine neue Luxussteuer für teure Fahrzeuge zurückgeführt, die insbesondere deutsche Hersteller betrifft. „Wir erwarten von China konstruktive Vorschläge zum Abbau von Wettbewerbsverzerrungen“, erklärte Hildegard Müller, Präsidentin des VDA, gegenüber der „Welt am Sonntag“.
Müller warnte jedoch vor einer vorschnellen Reaktion seitens der EU. Neue Vorgaben, die europäische Autos bei der öffentlichen Beschaffung bevorzugen, Kaufprämien oder Zölle könnten chinesische Gegenmaßnahmen provozieren. „Solche Regeln bis hin zur Marktabschottung fordert derzeit die französische Autoindustrie ein“, so Müller. „Auch wenn China jetzt aufgefordert ist, Angebote zu machen, muss Europa generell sein Handeln und entsprechende Reaktionen abwägen. Je nach Entscheidung drohen der hiesigen Industrie Gegenmaßnahmen aus China.“
Die Schließung des europäischen Automarktes sei keine Option. „Europa sollte für chinesische Unternehmen offen sein und bleiben, um Investitionen und Wertschöpfung nach Europa zu bringen“, betonte die VDA-Präsidentin. Sie fügte hinzu: „Europa ist zudem aufgefordert, Vorschläge zur Stabilisierung der Handelsbeziehungen einzubringen.“
Europäische Schritte, die Peking zu Gegenmaßnahmen verleiten könnten, müssten unbedingt vermieden werden. „Die Strafzölle der EU auf Elektroautos aus China waren und sind ein Fehler“, sagte Müller. Die Branche sehe die vor einem Dreivierteljahr verschärfte chinesische Luxussteuer als eine Reaktion auf EU-Schritte von 2024.


