Keine Ansage vom Staat
Arbeitsmarktforscher Enzo Weber hat den Vorstoß von CSU-Chef Markus Söder nach einer Stunde Mehrarbeit pro Woche scharf kritisiert. „Aufgabe von Politik ist es nicht, den Menschen Ansagen zu machen, wie lange sie arbeiten sollen – sondern Rahmenbedingungen zu gestalten, Anreize zu verbessern und Unterstützung bereitzustellen“, sagte Weber der „Rheinischen Post“. Nur so könnten die Menschen eine eigene, informierte Entscheidung treffen, betonte er.
Andere Hebel sind entscheidend
Zwar erkennt Weber die Notwendigkeit von mehr Arbeitsstunden angesichts der demografischen Entwicklung an. Die entscheidenden Stellschrauben sieht er jedoch woanders. Weber plädiert dafür, die Steuerprogression im unteren Einkommensbereich abzumildern und insbesondere Kinderbetreuung sowie Pflegeangebote auszubauen. „Es gibt viel zu gewinnen, wenn berufliche Entwicklung von Frauen in der Kinderphase nicht mehr abknicke und Ältere länger im Beruf gehalten werden könnten“, so der Forscher.
Söder hatte am Sonntag in der ARD erklärt: „Eine Stunde Mehrarbeit in der Woche würde uns enorm viel Wirtschaftswachstum bringen und ist wirklich nicht zu viel verlangt.“