Weber: Politik soll Rahmenbedingungen schaffen

Arbeitsmarktforscher widerspricht Söders Mehrarbeits-Idee

Arbeitsmarktforscher widerspricht Söders Mehrarbeits-Idee
Foto: Markus Söder am 30.01.2026, via dts Nachrichtenagentur

CSU-Chef Markus Söder hatte eine Stunde Mehrarbeit pro Woche als Mittel gegen den Fachkräftemangel vorgeschlagen. Arbeitsmarktforscher Enzo Weber teilt diese Einschätzung nicht. Statt pauschalen Forderungen an die Bürger setzt Weber auf bessere politische Rahmenbedingungen, um Fachkräfte zu halten und die wirtschaftliche Teilhabe zu fördern.

Keine Ansage vom Staat

Arbeitsmarktforscher Enzo Weber hat den Vorstoß von CSU-Chef Markus Söder nach einer Stunde Mehrarbeit pro Woche scharf kritisiert. „Aufgabe von Politik ist es nicht, den Menschen Ansagen zu machen, wie lange sie arbeiten sollen – sondern Rahmenbedingungen zu gestalten, Anreize zu verbessern und Unterstützung bereitzustellen“, sagte Weber der „Rheinischen Post“. Nur so könnten die Menschen eine eigene, informierte Entscheidung treffen, betonte er.

Andere Hebel sind entscheidend

Zwar erkennt Weber die Notwendigkeit von mehr Arbeitsstunden angesichts der demografischen Entwicklung an. Die entscheidenden Stellschrauben sieht er jedoch woanders. Weber plädiert dafür, die Steuerprogression im unteren Einkommensbereich abzumildern und insbesondere Kinderbetreuung sowie Pflegeangebote auszubauen. „Es gibt viel zu gewinnen, wenn berufliche Entwicklung von Frauen in der Kinderphase nicht mehr abknicke und Ältere länger im Beruf gehalten werden könnten“, so der Forscher.

Söder hatte am Sonntag in der ARD erklärt: „Eine Stunde Mehrarbeit in der Woche würde uns enorm viel Wirtschaftswachstum bringen und ist wirklich nicht zu viel verlangt.“