Keine risikofreie Menge: Die neue Haltung der DGE
Die DGE betont, dass es keine risikofreie Menge an Alkohol gibt. Selbst geringe Mengen können gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Dr. Kiran Virmani, Geschäftsführerin der DGE, erläutert, dass „die DGE empfiehlt, auf alkoholische Getränke zu verzichten. Wer dennoch Alkohol trinkt, sollte hohe Mengen und Rauschtrinken vermeiden.“ Dies betrifft insbesondere junge Menschen, Kinder, Jugendliche, Schwangere und Stillende, die besonders empfindlich auf Alkohol reagieren. Das neue Positionspapier berücksichtigt aktuelle Forschungen zur Höhe der Alkoholmenge, die das Risiko für gesundheitliche Folgen minimieren soll.
Neue Richtlinien für risikoarmen Konsum: Was ist noch vertretbar?
Laut der DGE wird risikoarmer Konsum auf ein bis zwei alkoholische Getränke pro Woche festgelegt. Diese Empfehlung basiert auf neuesten Berechnungen des Canadian Centre on Substance Use and Addiction und Daten der Global Burden of Disease Study. Ein wesentlicher Unterschied zu früheren Richtwerten ist, dass die neuen Empfehlungen unabhängig vom Geschlecht gelten. Das bedeutet, dass Männer wie Frauen ihre Alkoholverbrauch auf ein sehr niedriges Niveau reduzieren sollten, um gesundheitliche Risiken zu minimieren. Die DGE stellt klar, dass es keine „risikofreie“ Menge gibt und empfiehlt daher, den Konsum zu vermeiden.
Menschen in Deutschland trinken im weltweiten Vergleich durchschnittlich mehr als doppelt so viel Alkohol
Deutschland ist im internationalen Vergleich ein Land mit außergewöhnlich hohem Alkoholkonsum. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) trinken Deutsche durchschnittlich 12,2 Liter Alkohol pro Kopf und Jahr – mehr als doppelt so viel wie der weltweite Durchschnitt von 5,5 Litern. Dieser hohe Konsum führt zu erheblichen gesundheitlichen und sozialen Problemen. Jährlich entstehen Kosten von etwa 57 Milliarden Euro durch alkoholbedingte Erkrankungen, Arbeitsunfähigkeit und Schäden. Diese enormen Kosten spiegeln sich in einer verringerten Lebensqualität und einem erhöhten Risiko für schwere Gesundheitsprobleme wider.
Gesundheitliche und soziale Auswirkungen: Was bedeutet das für die Gesellschaft?
Alkohol steht im Zusammenhang mit über 200 gesundheitlichen Problemen, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lebererkrankungen und verschiedene Krebsarten. Zudem erhöht Alkohol das Risiko für Unfälle und Gewalt, was zu weiteren gesellschaftlichen und finanziellen Belastungen führt. Die soziale Dimension ist ebenfalls gravierend: Familien, die von Alkoholmissbrauch betroffen sind, leiden oft unter einem niedrigeren sozioökonomischen Status. Kinder aus diesen Familien sind häufig schulisch benachteiligt und sozial ausgegrenzt.
Besondere Risikogruppen: Warum völliger Verzicht empfohlen wird
Besonders junge Menschen, Kinder und Jugendliche sowie Schwangere und Stillende sollten gänzlich auf Alkohol verzichten. Für Kinder und Jugendliche besteht die Gefahr der akuten Neurotoxizität, die die physische und kognitive Entwicklung negativ beeinflussen kann. Ein früher Alkoholgebrauch erhöht zudem das Risiko für spätere Alkoholmissbrauchsstörungen.
Schwangere und Stillende sind ebenfalls stark gefährdet, da Alkohol die Entwicklung des Fötus und des Säuglings beeinträchtigen kann. Die Toxizität für das Ungeborene oder Kleinkind macht einen völligen Verzicht auf Alkohol unerlässlich.
Für Personen mit bestehenden gesundheitlichen Problemen, die durch Alkohol verschärft oder ausgelöst werden können, sowie für Menschen, die Medikamente einnehmen, empfiehlt die DGE ebenfalls eine Abstinenz. Die Gefahr von unerwünschten Wechselwirkungen und verschlechterten gesundheitlichen Zuständen rechtfertigt diesen Ansatz.
Notwendige Maßnahmen zur Alkoholprävention: Ein umfassender Ansatz
Die DGE fordert umfassende Maßnahmen zur Reduzierung des Alkoholkonsums in Deutschland. Trotz der bestehenden Präventionskampagnen gibt es noch Nachholbedarf bei der Umsetzung effektiver Maßnahmen wie der Einschränkung der Verfügbarkeit von Alkohol und strikterer Kontrolle von Alkohol am Steuer. Die DGE schlägt einen „policy mix“ vor, der unter anderem strengere Verkaufsbeschränkungen, Werbebeschränkungen und verbesserte Beratungsangebote umfasst. Ziel ist es, das Bewusstsein für die Risiken des Alkoholkonsums zu schärfen und die Zahl alkoholbedingter Erkrankungen sowie die sozialen Auswirkungen zu reduzieren.
Insgesamt stellt die DGE mit ihrer neuen Empfehlung einen radikalen Kurswechsel in der Alkoholpolitik dar. Die Forderung nach einem völligen Verzicht auf Alkohol verdeutlicht die Dringlichkeit, gesundheitliche Risiken ernst zu nehmen und gezielte Präventionsmaßnahmen zu ergreifen. Wie sich diese Empfehlung langfristig auf die Gesellschaft auswirken wird, bleibt abzuwarten, aber die Diskussion über die richtige Balance zwischen Genuss und Gesundheit ist damit neu entfacht.
