Ganztägiger Warnstreik trifft Millionen
Nach Angaben der Gewerkschaft ver.di beteiligten sich bundesweit Beschäftigte in fast allen 16 Bundesländern an den Arbeitsniederlegungen. In Baden-Württemberg legten rund 3.500 Beschäftigte im kommunalen Nahverkehr ihre Arbeit nieder. Der Streik dauerte vom Beginn der Frühschicht bis zum Ende der Spätschicht.
Besonders spürbar war der Stillstand in Stuttgart, Karlsruhe, Heilbronn, Freiburg, Baden-Baden, Esslingen und Konstanz. Dort fand in den bestreikten Betrieben kein Fahrdienst statt, teilweise fielen auch Fährverbindungen aus. Nicht betroffen waren hingegen die Regional- und S-Bahnen der Deutschen Bahn, die planmäßig verkehrten.
Zusätzliche Belastung durch Wetterlage
Für viele Pendlerinnen und Pendler kam der Streik zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Der Deutscher Wetterdienst warnte parallel vor gefrierendem Regen und glatten Straßen in mehreren Regionen des Landes. Millionen Berufstätige mussten trotz eingeschränktem Nahverkehr pünktlich zur Arbeit kommen, Eltern standen vor der Frage, wie ihre Kinder sicher zur Schule gelangen.
Wann kommt der nächste Streik?
Kurzfristig gibt es zumindest eine leichte Entwarnung. Nach dem Warnstreik zum Wochenbeginn sind in Baden-Württemberg zunächst keine weiteren Arbeitsniederlegungen angekündigt. Doch das ist keine Garantie für anhaltende Ruhe.
Verdi-Verhandlungsführer Jan Bleckert machte deutlich, dass neue Streiks jederzeit möglich sind – abhängig vom Verlauf der Tarifverhandlungen. Sollten die Gespräche erneut ohne Annäherung bleiben, könnten weitere Warnstreiks folgen. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 9. Februar angesetzt.
Warum wird 2026 im Nahverkehr gestreikt?
Hintergrund des Arbeitskampfes sind bundesweite Tarifverhandlungen über die Arbeitsbedingungen im kommunalen Nahverkehr. Verdi fordert vor allem strukturelle Verbesserungen, um den Beruf attraktiver zu machen. Dazu zählen:
- kürzere Wochenarbeits- und Schichtzeiten
- längere Ruhezeiten zwischen Einsätzen
- höhere Zuschläge für Nacht-, Wochenend- und Samstagsarbeit
- bessere Vergütung von Überstunden
Nach Angaben der Gewerkschaft liegt der Stundenlohn für Überstunden aktuell teilweise unter dem regulären Stundenlohn – Mehrarbeit sei damit für Arbeitgeber günstiger als zusätzliches Personal einzustellen.
Ein Konflikt mit bundesweiter Dimension
In allen 16 Bundesländern laufen derzeit Tarifrunden zu den Arbeitsbedingungen im kommunalen Nahverkehr. Betroffen sind bundesweit rund 150 kommunale Verkehrsunternehmen. Um neue Verhandlungen zu ermöglichen, wurden in 15 Bundesländern bestehende Flächentarifverträge gekündigt. In einigen Ländern – darunter Brandenburg, Thüringen und das Saarland – wird zusätzlich über Löhne und Gehälter verhandelt.
Fazit für Fahrgäste
Für Baden-Württemberg gilt: Der Streik am Montag ist vorerst beendet, das Konfliktpotenzial bleibt jedoch hoch. Ob und wann es erneut zu Ausfällen kommt, hängt maßgeblich vom Ergebnis der anstehenden Verhandlungen ab. Fahrgäste sollten sich daher auch in den kommenden Wochen auf kurzfristige Warnstreiks einstellen – insbesondere, falls es keine Bewegung auf Arbeitgeberseite gibt.

