Massive Aufrüstung und neue Verteidigungslinie

Nato will KI-gestützte „heiße Zone“ an Russlands Grenze

Foto: Bundeswehr-Soldaten (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Die Nato plant eine radikale Veränderung ihrer Ostflanke. Ein komplexes, automatisiertes Verteidigungssystem soll künftig direkt an der Grenze zu Russland und Weißrussland potenzielle Angreifer abschrecken. Brigadegeneral Thomas Lowin sprach mit der "Welt am Sonntag" über die neue Strategie, die bis 2027 umgesetzt werden soll.

Automatische Abwehrschlacht gegen Aggressoren

Die Allianz will in den kommenden zwei Jahren massiv aufrüsten und schwere Waffen sowie Munition in Nato-Grenzstaaten lagern. Dies dient der schnellen Wiederbewaffnung von Verteidigungssystemen in einer neu geschaffenen „automatisierten Zone“ und zur Ausrüstung der eigenen Truppen, wie Brigadegeneral Thomas Lowin, Vizechef des Stabes für Operationsführung im Nato-Landkommando in Izmir, erläuterte. Erstmals wird damit öffentlich über das Konzept der „Eastern Flank Deterrence Line“ (EDFL) gesprochen.

Lowin beschreibt ein „komplexes, mehrschichtiges Verteidigungssystem“. Dabei sollen nicht nur konventionelle Soldaten zum Einsatz kommen, sondern durch Hindernisse und Technik eine „roboterisierte oder automatisierte Zone“ geschaffen werden. Diese soll Angreifer erst einmal überwinden müssen.

„Joint Effects Zone“ soll Vorstöße brechen

Das Ziel: Einen feindlichen Vorstoß schon in der ersten Phase zu stoppen und die eigenen Soldaten zu schonen. Die „Joint Effects Zone“ soll als klar strukturierter Wirkraum dienen, der feindliche Truppen sofort bekämpft und unter Druck setzt. „Es ist eine Art heiße Zone“, so Lowin. Die Bewegungen des Gegners sollen kanalisiert, das Tempo reduziert und er in nachteilige Lagen gezwungen werden, um seine Kampfkraft Schritt für Schritt zu reduzieren.

Die automatisierte Zone ist dabei weitgehend menschenleer konzipiert. Sensoren und „Effektoren“ – also bewaffnete Drohnen, teilautonome Gefechtsfahrzeuge, unbemannte Bodensysteme sowie automatisierte Luft- und Raketenabwehr – sollen nahtlos zusammenarbeiten. Diese vernetzten Systeme sollen den Feind schnell stellen, seine Handlungsmöglichkeiten brechen und ihm Initiative und Kampfkraft nehmen.

Erste Pilotprojekte laufen bereits in Polen und Rumänien.