Reformen greifen, Wirtschaft brummt
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die Entwicklung in Paraguay mit Lob bedacht und im Zuge dessen weitere Finanzhilfen freigegeben. Nach einer wiederholten erfolgreichen Überprüfung von Reformprogrammen stünden den Behörden nun rund 117 Millionen US-Dollar zur Verfügung, teilte der IWF am Donnerstag mit. Dies markiere den „erfolgreichen Abschluss einer umfassenden, eigenständig entwickelten Reformagenda“.
Trotz globaler Unsicherheiten zeigt sich die paraguayische Wirtschaft in den Augen des IWF weiterhin robust. Ein starkes reales BIP-Wachstum wird für 2026 und darüber hinaus erwartet, gestützt auf makroökonomische Stabilität und laufende Reformen. Die Inflation sei unter Kontrolle und soll 2026 das Ziel der Zentralbank von 3,5 Prozent erreichen. Zwar wird kurzfristig mit einer Abschwächung der Leistungsbilanz durch Importe im Zusammenhang mit ausländischen Direktinvestitionen gerechnet, mittelfristig soll sich die Bilanz jedoch mit neu anlaufenden Exporten verbessern. Die Devisenreserven Paraguays liegen laut IWF weiterhin über den erforderlichen Schwellenwerten.
Sparpläne und Proteste
Die paraguayische Regierung unter Präsident Santiago Peña verfolgt seit etwas mehr als zwei Jahren ein wirtschaftsliberales Reformprogramm. Dieses setzt auf stabile Fiskalpolitik, geringere Staatsausgaben und die Positionierung Paraguays als Investitionsstandort. Kritiker und Teile der Bevölkerung üben jedoch regelmäßig Protest. Insbesondere Änderungen am Rentensystem, die erstmals eine Investition angesparter Gelder in Anleihen und andere Finanzinstrumente erlauben – eine Forderung des IWF –, sorgten für Unmut. Soziale Gruppen und die Opposition rufen immer wieder zu Demonstrationen auf, die sich gegen die Reformen, aber auch gegen Korruption und soziale Ungleichheit richten.
Die Vollendung des Haushaltskonsolidierungsplans wird vom IWF als unerlässlich für die Aufrechterhaltung der makroökonomischen Stabilität betrachtet. Paraguay mache stetige Fortschritte bei der Reduzierung des Haushaltsdefizits auf 1,5 Prozent des BIP bis 2026. Kontinuierliche Bemühungen zur Stärkung der Steuereinnahmen, Effizienzsteigerung in der Regierung und zur Sicherung der Nachhaltigkeit des öffentlichen Rentensystems würden Spielraum für Entwicklungsprioritäten schaffen und zugleich die Konsolidierungsziele unterstützen.
Paraguay gehört zudem zu den Mercosur-Staaten, mit denen die EU kürzlich ein historisches Freihandelsabkommen unterzeichnet hat. Auch hier gibt es in Paraguay Bedenken im Hinblick auf das noch nicht in Kraft getretene Abkommen.
