Mehr Handlungsfähigkeit und europäisches Selbstbewusstsein gefordert

Ischinger fordert EU-Reformen: „Europa muss mit einer Stimme sprechen“

Ischinger fordert EU-Reformen: „Europa muss mit einer Stimme sprechen“
Foto: Wolfgang Ischinger am 09.02.2026, via dts Nachrichtenagentur

Kurz vor Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz appelliert deren Vorsitzender Wolfgang Ischinger an die Europäische Union. Er fordert eine stärkere Geschlossenheit, die Konsolidierung der Rüstungsbemühungen und die Abschaffung des Einstimmigkeitsprinzips, um die Handlungsfähigkeit Europas zu erhöhen. Ein klares Statement zur russischen Politik darf dabei nicht fehlen.

Münchner Sicherheitskonferenz im Fokus

Die Bühne für die Münchner Sicherheitskonferenz ist bereitet, doch im Vorfeld richtet sich der Blick von deren Vorsitzendem Wolfgang Ischinger auf die drängenden Reformen, die Europa voranbringen sollen. „Europa muss mit einer Stimme sprechen, seine Rüstungsbemühungen konsolidieren und hoffentlich perspektivisch das Einstimmigkeitsprinzip in der Europäischen Union abschaffen, um handlungsfähiger zu werden“, mahnt Ischinger gegenüber dem Portal „T-Online“.

Mehr Biss statt Beschwörung

Das Signal aus Europa ist klar: Man will nicht länger nur auf der Warteliste stehen. Ischinger sieht eine klare Agenda für die handelnden Personen, die nun aus reinen Beschwörungsformeln zu konkreten Entscheidungen übergehen müssen. München, so der Wunsch, soll ein Ort werden, an dem diese Weichen gestellt werden.

Bittere Erkenntnis: Russland nimmt EU nicht ernst

Besonders im Umgang mit Russland sieht Ischinger dringenden Handlungsbedarf für mehr europäische Geschlossenheit. Die Erkenntnis sei bitter: „Wir werden nicht ernst genommen.“ Er kritisiert, dass selbst der diplomatische Vorstoß Frankreichs, seinen außenpolitischen Berater nach Moskau zu schicken, von russischer Seite belächelt werde. Die aktuelle Haltung Russlands, nicht gesprächsbereit zu sein, sei ein „bestürzender Befund“, der auch die Einschätzung von Oppositionsführer Friedrich Merz stütze.

Klarheit bei Atomwaffen

Trotz des Rufes nach mehr sicherheitspolitischer Autonomie der EU, erteilt Ischinger einer deutschen Atombombe eine klare Absage. Damit würde Deutschland laut Ischinger seine völkerrechtlichen Verpflichtungen aus dem Nichtverbreitungs- und dem Zwei-plus-Vier-Vertrag brechen. Dies könnte erhebliche Verwerfungen in Europa auslösen und das Prinzip der nuklearen Nichtverbreitung auf Dauer erschüttern.