Bundeswehr sucht Soldaten für Ostflanke

Bewerber-Mangel für Litauen-Brigade

Foto: Bundeswehr-Soldaten (Archiv), via dts Nachrichtenagentur

Für die geplante Bundeswehrbrigade in Litauen fehlen dem Heer die Freiwilligen. Vertrauliche Statistiken zeigen dramatisch niedrige Zahlen, insbesondere bei den Mannschaften. Das Ministerium plant nun Gegenmaßnahmen, um die Attraktivität der Mission zu steigern.

Rekrutierungsschwierigkeiten an der Ostflanke

Die Aufstellung einer neuen Bundeswehrbrigade zur Verstärkung der Nato-Ostflanke in Litauen gestaltet sich schwierig. Aktuelle Berichte, die auf vertraulichen Statistiken des Heeres basieren, enthüllen eine besorgniserregende Knappheit an freiwilligen Bewerbungen. Insbesondere für die Mannschaftsdienstgrade, die einen Großteil der benötigten Kräfte ausmachen, sind die Anmeldungen unzureichend.

Speziell für die Besetzung von Dienstposten in Kernverbänden wie dem Panzerbataillon 203 und dem Panzergrenadierbataillon 122 sind die bisherigen Anmeldequoten ernüchternd. Die Zahlen schwanken demnach nur zwischen 28 und 47 Prozent. Diese Einheiten sollen noch in diesem Jahr personell aufgestellt und ab 2027 voll ausgerüstet ihren Dienst an der Frontlinie aufnehmen.

Die Lage wird durch ein internes Papier des Verteidigungsministeriums aus dem Januar weiter verdeutlicht: Für die sogenannten „neuen Hauptkräfte“ der Litauen-Brigade, darunter Artillerie-, Aufklärungs- und Pioniereinheiten sowie Unterstützungstrupps, meldeten sich bundesweit lediglich rund zehn Prozent der benötigten Freiwilligen für nahezu 2.000 Dienstposten.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte im vergangenen Sommer die Stationierung einer dauerhaften und voll einsatzfähigen Brigade in Litauen angekündigt. Der Einsatz war als freiwillige Maßnahme konzipiert und soll durch attraktive Zulagen der Bundeswehr für Soldaten schmackhaft gemacht werden.

Angesichts der mangelnden Beteiligung plant das Ministerium nun umfangreiche „Mitigationsmaßnahmen“. Ein erster Schritt ist der Versand von 43.000 Informationsschreiben an potenziell geeignete Soldaten. Darüber hinaus sollen Tagestrips nach Litauen angeboten werden, um Interessenten die dortigen Standorte näherzubringen. Auch eine Reduzierung der Mindestverpflichtungszeit vor Ort von zwei auf ein Jahr steht zur Diskussion.

Die Bundeswehr räumte ein, dass bisher nicht genügend Freiwillige gefunden wurden. Ein Sprecher des Heeres betonte jedoch, dass die veröffentlichten Zahlen nur einen „Zwischenstand von Ende letzten Jahres“ darstellten und noch keine verlässlichen Prognosen zuließen. Die weitere Entwicklung der Bewerberzahlen sei „derzeit noch nicht genau absehbar“. Die Aufstellung der Brigade mit qualifiziertem Personal bleibe eine „herausfordernde“ Aufgabe.