Die neue Schwelle fällt knapp aus, ist für den baden-württembergischen Neuwagenmarkt aber bemerkenswert: Nach Angaben des Statistischen Landesamts wurden von Januar bis September 2026 insgesamt 90.905 reine Elektro-Pkw neu zugelassen. Bei Benzinern waren es 52.228, bei Dieselfahrzeugen 37.853.
Der Vorsprung beträgt nur 824 Fahrzeuge
Addiert man Benziner und Diesel, ergeben sich 90.081 Neuzulassungen. Batterieelektrische Pkw lagen damit um 824 Fahrzeuge oder rund 0,9 Prozent darüber. Gegenüber den ersten neun Monaten 2025 stieg ihre Zahl nach der Landesstatistik um 53,2 Prozent. Die Größenordnung ist deshalb aussagekräftiger als eine zugespitzte „Überhol“-Erzählung: Schon relativ kleine spätere Datenkorrekturen oder Monatsverschiebungen könnten den Abstand verändern, am starken Jahreszuwachs der Elektroautos aber wenig ändern.
Neuzulassungen messen zudem nur Fahrzeuge, die im Berichtszeitraum erstmals für den Straßenverkehr zugelassen wurden. Sie sind weder identisch mit Bestellungen noch mit der Produktion in baden-württembergischen Werken. Auch über Preise, Rabatte oder die Profitabilität einzelner Modelle sagt die Statistik nichts aus.
Hybridmodelle treiben den 70-Prozent-Anteil
Den größten Block unter den neu zugelassenen alternativen Antrieben bildeten Hybride. Das Landesamt weist für Januar bis September 123.542 Hybrid-Pkw einschließlich Plug-in-Hybriden aus. Zusammen mit Elektro-, Gas- und weiteren alternativen Antrieben entfielen rund 70 Prozent aller Pkw-Neuzulassungen auf diese Gruppe.
Der Sammelbegriff muss sauber gelesen werden: Ein Hybridfahrzeug besitzt in der Regel weiterhin einen Verbrennungsmotor. Der Anteil alternativer Antriebe ist daher nicht mit dem Anteil lokal emissionsfreier Fahrzeuge gleichzusetzen. Für den Vergleich mit Benzinern und Dieseln zusammen ist die Zahl der reinen Batterieautos die präzisere Kennziffer.
Im Bestand dominiert der Verbrenner weiterhin
Das Bild des gesamten Fahrzeugbestands verändert sich wesentlich langsamer. Zu Jahresbeginn 2026 waren in Baden-Württemberg 6.988.847 Pkw zugelassen. Davon entfielen 322.060 auf reine Elektroautos und 641.433 auf Hybride einschließlich Plug-in-Hybriden. Zusammen mit Gasfahrzeugen überschritten alternative Antriebe erstmals die Marke von einer Million Pkw.
Ihr Anteil am Pkw-Bestand lag laut Landesamt bei 14,3 Prozent. Reine Batterieautos kamen nach einer insideBW-Berechnung aus den amtlichen Bestandszahlen auf rund 4,6 Prozent. Die Neuzulassungen zeigen somit die aktuelle Richtung des Marktes, während der Bestand die über viele Jahre aufgebaute Fahrzeugflotte abbildet.
Der Unterschied wird auch im Zeitvergleich sichtbar. insideBW hatte 2024 über damals 229.556 reine Elektro-Pkw und einen Anteil von 3,3 Prozent berichtet. Zum Jahresbeginn 2026 waren es rund 92.500 Batterieautos mehr. Der Vergleich beschreibt Bestandsstände zu unterschiedlichen Stichtagen; er ist kein Maß für einzelne Monatsverkäufe.
Gewerbliche Halter prägen Teile des Marktes
Eine frühere Auswertung des Landesamts zum Bestand 2026 zeigt außerdem, dass Halterstrukturen regional stark variieren. Landesweit waren 45,6 Prozent der reinen Elektroautos und Plug-in-Hybride gewerblich zugelassen. In Stuttgart lag der gewerbliche Anteil bei 69,1 Prozent, in mehreren ländlichen Kreisen überwogen dagegen private Halter deutlich.
Aus steigenden Zulassungszahlen lässt sich deshalb nicht automatisch eine gleich starke private Nachfrage ableiten. Firmenflotten, Leasinggesellschaften und andere gewerbliche Halter können die Statistik wesentlich beeinflussen. Der zugrunde liegende KBA-Datensatz FZ 28 weist Neuzulassungen unter anderem nach Antriebsart, Haltergruppe, Marke, Modell und Bundesland aus.
Was die Statistik für den Standort offenlässt
Für Baden-Württembergs Autoindustrie ist die Verschiebung im Neuwagenmarkt relevant, sie beantwortet aber keine Standortfrage. Aus den Zulassungsdaten geht nicht hervor, wo die Fahrzeuge oder ihre Batterien gefertigt wurden, welche heimischen Zulieferer beteiligt sind oder wie sich die Entwicklung auf Beschäftigung und Wertschöpfung auswirkt.
Belegt ist damit ein enger Befund: In den ersten neun Monaten 2026 lagen reine Elektroautos bei den Neuzulassungen im Land knapp vor Benzinern und Dieseln zusammen. Ob daraus ein dauerhafter Vorsprung wird, lässt sich erst mit den folgenden Monats- und Jahresdaten beurteilen.




