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Ein Spatz als Architekt?

Der Ulmer Spatz: Ein Symbol für Klugheit und Einfallsreichtum, das die Stadtgeschichte lebendig hält

Von Zeynel Cebeci – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=84583821

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Es war einmal in der freien Reichsstadt Ulm, eine stolze Bürgerschaft, die ein Münster bauen wollte. Schön und hoch sollte die Kirche werden, ein Meisterwerk der Architektur und ein Zeichen des Glaubens. Doch wie bei jedem großen Projekt gab es Herausforderungen zu meistern.

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Eine davon war die Beschaffung von langen Holzbalken, die benötigt wurden, um das Dach der Kirche zu stützen. Der Baumeister sandte seine Gehilfen aus der Stadt, um kräftiges Holz herbeizuholen. Mit großem Eifer machten sie sich auf den Weg und kehrten mit den benötigten Baumstämmen zurück.

Doch als sie versuchten, die langen Balken durch das Stadttor zu transportieren, stießen sie auf ein unerwartetes Problem: Die Balken waren zu lang und das Tor zu schmal. Sie schoben und zerrten, versuchten es von dieser und jener Seite, aber es war vergeblich. Die Balken passten einfach nicht durch das Tor.

Ein Vogel zeigt den Weg

Inmitten dieser Verwirrung und Frustration geschah etwas Unerwartetes. Die Ulmer sahen einen Spatz, der einen Zweig im Schnabel trug. Der kleine Vogel flog mühelos mit dem Zweig längs durch das Tor. Da ging den Ulmern ein Licht auf: Sie mussten den Balken der Länge nach auf ihren Karren legen und nicht quer. Und so gelang es ihnen, das Holz in die Stadt zu bringen. Diese humoristische Sage ist seit dem zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts nachweisbar und gehört zu dem weit verbreiteten Sagenkreis um kreuzweis statt längsseits transportierte Baumstämme und Holzbalken.

Der Ulmer Spatz wird zum Wahrzeichen

Der kluge Spatz, der den Menschen zeigte, wie sie ihr Problem lösen konnten, wurde schnell zum Helden der Geschichte. Die Ulmer waren so dankbar und beeindruckt von der Weisheit des kleinen Vogels, dass sie beschlossen, ihn zu ihrem Wahrzeichen zu machen. Eine Figur des Spatzes, die ursprünglich im 15. Jahrhundert angebracht wurde, ziert das Dach des Ulmer Münsters. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich der Vogel zu einem Symbol der Stadt, ohne dass bekannt wäre, welche Narrative sich mit ihm verbanden.

Der Ulmer Spatz: Ein Symbol für Klugheit und Einfallsreichtum, das die Stadtgeschichte lebendig hält Ulm UlmerSpatz Original 1
„Ulmer Spatz“: das Original aus dem Jahr 1858 vom Münsterdach befindet sich heute im Ulmer Münster nahe dem Eingang in einer Vitrine Fotos: Von I, Joachim Köhler, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2445403

Während der Renovierungsmaßnahmen im Jahr 1854 ging der alte Vogel in Trümmer. Der Münsterbaumeister Ferdinand Thrän fertigte aus Sandstein einen neuen Vogel, den er von Anfang an als „Ulmer-Spatz“ bezeichnete. Der neue Spatz konnte jedoch wegen heftiger Auseinandersetzungen in Ulm erst 1858 auf dem Dachfirst des Langhauses angebracht werden.

Der Ulmer Spatz in der modernen Zeit

Heute ist der Ulmer Spatz weit mehr als nur ein Wahrzeichen. Er ist Namensgeber für verschiedene Produkte und Institutionen, darunter ein Schienenbus, ein restauriertes Nostalgie-Fahrgastschiff, ein Markenzeichen für Brot- und Brötchenspezialitäten und sogar ein Asteroid. Der Ulmer Spatz ist auch ein Spitzname für die Mitglieder des Ulmer Spatzen Chors, die Fußballer des SSV Ulm 1846 und die Einwohner von Ulm.

Der Ulmer Spatz als Namensgeber

Der Ulmer Spatz hat seinen Namen und sein Bild an viele verschiedene Dinge verliehen. So gibt es zum Beispiel einen Uerdinger Schienenbus, der bis 2014 am Wochenende die Bahnstrecke Ulm–Sigmaringen und die Bahnstrecke Reutlingen–Schelklingen bediente und liebevoll „Ulmer Spatz“ genannt wurde. Ein restauriertes Nostalgie-Fahrgastschiff, das Schiffsrundfahrten auf der Donau bei Ulm unternimmt, trägt ebenfalls den Namen „Ulmer Spatz“.

Auch in der Lebensmittelindustrie hat der Ulmer Spatz seinen Platz gefunden. So ist er ein Markenzeichen für Produkte zur Herstellung von Brot- und Brötchenspezialitäten, hervorgegangen aus der Firma „Ulmer Spatz Vater und Sohn Eiselen“. Und wer hätte gedacht, dass der Ulmer Spatz sogar im Weltraum zu finden ist? Der 1987 entdeckte Asteroid (8345) trägt den Namen „Ulmer Spatz“.

Der Ulmer Spatz in der Kultur

Der Ulmer Spatz hat auch in der Kultur und im Sport seine Spuren hinterlassen. So ist er ein Spitzname für die Mitglieder des Ulmer Spatzen Chors, eine renommierte Chorgruppe, die für ihre hervorragenden Darbietungen bekannt ist. Die Fußballer des SSV Ulm 1846 tragen ebenfalls den Spitznamen „Ulmer Spatzen“. Und nicht zuletzt sind die Einwohner von Ulm stolz darauf, als „Ulmer Spatzen“ bezeichnet zu werden. Beim traditionellen „Nabada“ auf der Donau am Schwörmontag ertönt in Ulm der Schlachtruf: „Ulmer Spatza, Wasserratza, hoi, hoi, hoi!“

Der Ulmer Spatz: Ein Symbol für Klugheit und Einfallsreichtum, das die Stadtgeschichte lebendig hält AdobeStock 204783921
Das majestätische Ulmer Münster, gekrönt von seinem charmanten Wahrzeichen – dem Ulmer Spatz, der hoch oben auf dem Dach thront. Foto: fotoping – stock.adobe.com

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Ein federleichtes Wahrzeichen mit einer gewichtigen Geschichte

Die Geschichte des Ulmer Spatzes ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie eine einfache Sage das Bild einer Stadt prägen kann. Der kluge kleine Vogel, der den Menschen zeigte, wie sie ihr Problem lösen können, ist heute ein unverzichtbarer Teil der Ulmer Identität. Und so wie der Spatz einst den Ulmern half, ihr Münster zu bauen, so hilft er heute, die Stadt und ihre Geschichte lebendig zu halten. Der Ulmer Spatz ist mehr als nur ein Wahrzeichen – er ist ein Symbol für Klugheit, Einfallsreichtum und die Fähigkeit, Probleme auf unerwartete Weise zu lösen.

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