Bundesbank-Präsident übt scharfe Kritik
Persönliche Angriffe auf den Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) sind für Joachim Nagel, Präsident der Deutschen Bundesbank, ein absolutes No-Go. „Das ist ein Unding“, erklärte Nagel gegenüber dem „Tagesspiegel“. Er kenne Jerome Powell gut und habe großen Respekt vor seiner Arbeit und seinem professionellen Auftreten.
Die Art und Weise, wie Powell politisch ins Visier genommen werde, gehe ihm tief unter die Haut, betonte Nagel. Umso mehr, da die USA nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich die Bedeutung unabhängiger Zentralbanken vermittelt hätten. „Die USA haben uns 1948 mit der Bank deutscher Länder in Frankfurt am Main das Fundament für die Deutsche Bundesbank gelegt“, erinnerte Nagel. Diese wiederum diente als Blaupause für die Europäische Zentralbank (EZB).
Trump erhöht Druck auf Powell
Hintergrund der scharfen Worte ist die jüngste Eskalation des Konflikts zwischen US-Präsident Trump und Fed-Chef Powell. Trump erhöht den politischen und juristischen Druck auf Powell spürbar. So prüft das US-Justizministerium eine mögliche Anklage gegen Powell, angeblich wegen zu hoher Sanierungskosten für das Fed-Gebäude. Experten vermuten dahinter den Versuch Trumps, Einfluss auf die Zinspolitik der Fed zu nehmen. Wiederholt drohte Trump zudem damit, Powell zu entlassen.
Unabhängigkeit ist keine Selbstverständlichkeit
Angriffe auf die Unabhängigkeit europäischer Zentralbanken erwartet Nagel indes nicht. „Nein, alle Regierungen im Euroraum bekennen sich klar zur Unabhängigkeit“, sagte der Bundesbank-Präsident auf eine entsprechende Nachfrage. Dennoch sei die Bewahrung dieser Unabhängigkeit keine Selbstverständlichkeit. „Die Unabhängigkeit der Geldpolitik muss von der Bevölkerung getragen werden“, mahnte Nagel und appellierte damit indirekt an die Eigenverantwortung der EU-Bürger.

